Wir bleiben zu Hause – Tag 21

Drei Wochen sind wir nun schon zu Hause, ohne persönliche Kontakte zu irgendjemandem außerhalb unseres Haushaltes. Das fällt mir im Grunde sehr leicht, ich sehe meine Freunde ohnehin meist nur wenige Male im Jahr. Was mir aber Sorgen macht – und das habe ich ja auch schon mehrfach geschrieben – ist der fehlende Kontakt zu meiner Mutter. Nicht, weil ich es nicht aushalte – ich habe hier ja alles, was ich brauche: mein Mann, meine Kinder, Kaffee, gutes Essen und Internet (um mal nur die Basics zu nennen :-) ). Aber sie ist allein. Sie geht zwar gelegentlich mit ihrer Nachbarin spazieren, aber was ist das schon. Vielleicht 3 Stunden von 3 Wochen. Heute bei unserem Videotelefonat habe ich zum ersten Mal gespürt, dass ihre Stimmung deutlich gedrückt war. Es quält sie nicht nur der Zustand an sich, sondern auch der Gedanke daran, dass wir uns an Ostern nicht wie anfangs geplant sehen können, dass ihr Urlaub am Meer wahrscheinlich storniert werden muss und auch sonst stellt sie sich viele Fragen, die man sich eben stellt, wenn man zu viele Medien konsumiert. Alle wollen DIE Schlagzeile, alle widersprechen sich, keiner scheint etwas zu wissen. Wie auch.

Unser Sonntag verlief sehr entspannt, fast schon faul. Trotz des gigantischen Wetters schafften wir es nicht, das Haus zu verlassen. Wir spätstückten, grillten dann im Garten (zum ersten Mal auch Karotten, mit gegrilltem Schafskäse dazu – yummie!) und dann verzog sich jeder in sein Eck. Die Kinder spielten und schauten ein paar Videos, mein Mann putzte die Markise und telefonierte und ich widmete mich wieder meinem neuen Hobby: der Nähmaschine.

Für heute hatte ich mir vorgenommen, die Hasentäschchen fertig zu nähen. Das klappte deutlich schneller als gestern und so produzierte ich eine ganze Hasenfamilie, die ich meinen Kollegen und unseren Familien schicken möchte.

So war der Tag schneller rum als man gucken konnte. Morgen starten dann die Osterferien. Im Prinzip ändert sich nichts, außer dass die Maus keine Schulaufgaben mehr machen muss. Ich werde mir aber eine Beschäftigung für die beiden einfallen lassen müssen, denn ich befürchte, sie kriegen sich zu sehr in die Haare, wenn sie nun den ganzen Tag miteinander verbringen müssten…

Wir bleiben zu Hause – Tag 20

Der heutige Samstag begann mit einer freudestrahlenden Maus, die mir beim Betreten des Kinderzimmers zurief, dass in der Nacht ihr Zahn ausgefallen sei. Juchu! Nun fehlt noch sein Pendant auf der anderen Seite, der wackelt auch schon gefährlich.

Nach dem Frühstück startete ich zu einer semi-erfolgreichen „Shoppingtour“ in den Drogerie- und Allerleimarkt. Ich wollte Stecknadeln und Klettverschluss kaufen, weil ich mir gern ne neue Schlüsseltasche nähen möchte. Aber natürlich war das Kurzwarenregal leergefegt. Ich konnte gerade noch drei weiße Putzlappen ergattern, aus denen ich kleine Hasentäschchen für meine Arbeitskollegen und unsere Eltern nähen möchte. Gefüllt werden sie mit Blumensamentüten, wenigsten die gab es noch.

Nach dem Mittagessen begann ich dann mit meinem ersten Nähversuch – eine „Behelfsmaske“. Klar, was sonst in dieser Zeit. Ich brauchte schon ewig, um sie zuzuschneiden, obwohl ich eigentlich eine recht leichte Anleitung hatte, aber ich hatte halt keinen passenden, festen Baumwollstoff zu Hause, sondern nur ein altes, wabbeliges T-Shirt.

Zwischendurch fuhren wir zu einem Fahrradausflug in einen Nachbarort, was eine nette Abwechslung war von unserem Standardweg. Morgen soll es ja noch wärmer werden, vielleicht können wir da mal wieder in den Wald, das wäre mal was anderes als Acker und Wiesen.

Zurück zu Hause nähte ich den restlichen Nachmittag die Maske zusammen. Für einen ersten Nähversuch ist sie ganz ok und sitzt auch super, aber einen kleinen Fehler hab ich eingebaut, der stört mich ziemlich, obwohl er auf der Rückseite ist – vielleicht drösel ich das Ganze also nochmal auf. Das mach ich beim Stricken auch immer zig Mal, deswegen weiß ich, dass das mein Mann besser nicht sehen sollte, sonst kriegt er die Krise…

Nach dem Baden der Kinder war es schon halb 10 (samstags kriegen wir sie einfach nicht früher ins Bett). Es gab das mittlerweile übliche Geplärr, worauf mein Mann nach einem Türenknallen meinerseits doch hochkam und mich mit dem Bettkantensitzen ablöste. Mal sehen, ob es bei ihm schneller geht.

Wir bleiben zu Hause – Tag 19

Heute ist Tante Berta bei uns eingezogen. Aber keine Sorge – auch ohne 2-Meter-Abstand ist sie völlig ungefährlich, denn Tante Berta ist meine neue Nähmaschine!

Nachdem ich gestern den Status meiner Sendung ungefähr 50 Mal gecheckt habe und sie einfach nicht weiterbefördert wurde, dachte ich schon, ich müsse noch einen Tag länger warten. Aber dann klingelte der Paketdienst doch noch, völlig unerwartet. Ich hab mich lange nicht mehr so über einen Gegenstand gefreut, bin hin und her gesprungen und konnte es gar nicht erwarten, das Teil auszupacken. Offenbar dauert es nicht mehr lange, und ich drehe hier vollständig durch in dieser Situation.

Nach dem Mittagessen war es soweit. Ich machte erst ein paar „Trockenübungen“ auf Papier und startete dann mit Faden und Stoff. Erstmal nur Stiche ausprobieren und ein Gefühl für das Gerät bekommen. Als ich fertig war, wollte erst die Maus und dann auch die Schnecke ran. Beide haben sich sehr geschickt angestellt und ich erinnere mich nur allzu gut, wie gerne ich früher an der Nähmaschine meiner Oma saß und Stoffstreifen aufeinandergenäht habe. Schön, dann meine Kinder nun auch in den Genuss kommen!

Auch ums Radfahren konnte ich mich heute erfolgreich drücken, denn die Mädels waren so vertieft in ihr Spiel („ein Theaterstück für Ostern vorbereiten“…), dass sie nicht rausgehen wollten. Also drehte ich mit meinem Mann eine Runde zu Fuß, in trauter Zweisamkein – das hatten wir nun seit Februar nicht mehr.

Der Abend dieses tollen Tages endete leider mit viel Gebrüll der Schnecke, die plötzlich wie aus dem Nichts unbedingt Reitunterricht haben wollte und gar nicht einsah, dass das nicht geht. Als ihr dann nach 20 Minuten Heulerei wieder einfiel, dass sie Angst vor Pferden hat (genauso wie vor Hunden, Katzen, Fliegen,…), weinte sie erneut los, weil sie unbedingt ein Haustier haben wollte. Und dann, weil ich bleiben soll, wegen den Monstern. Seufz. Gestern Abend saß ich eine gute halbe Stunde da, damit nichtmal eineinhalb Stunden später die Schnecke doch wieder in meinem Bett landete. Es wird Zeit, dass diese Phase vergeht!!

Wir bleiben zu Hause – Tag 18

Gleich vorneweg: Meine guten Vorsätze, heute „mal so richtig Gas zu geben“, sind ziemlich weit in der Versenkung verschwunden. Stattdessen fällt es mir momentan immer schwerer, morgens überhaupt aufzustehen. Mein Wecker klingelt mittlerweile zwar erst um 7 Uhr, aber ich kann froh sein, wenn ich um halb 8 aufstehen kann. Das ist äußerst ungewöhnlich für mich, die früher beim ersten Weckerpieps senkrecht im Bett stand. Aber 8 Jahre Kinder haben mich schlaftechnisch nun wohl doch gezeichnet.

Am Vormittag konnte ich erstaunlich viel arbeiten, obwohl die Schnecke auf meinem Schoß saß. Aber sie testete alle Stifte von meinem Schreibtisch und malte auf meinem Notizblock. Die Maus hatte dagegen keinen so guten Vormittag, sie hatte merkbar keine Lust auf ihre Hausaufgaben und ließ das entsprechend an mir aus. Aber ich will ja nicht klagen – morgen ist der letzte Schultag vor den Osterferien und sie hat die letzten drei Wochen quasi nie gemeckert – da können wir uns glücklich schätzen.

Nach dem (im Übrigen superleckeren) Mittagessen (gebackener Tofu mit Sesam, Tortillas und Gurken-Joghurt-Dip) schlug ich der Schnecke vor, mit Oma zu videotelefonieren. Da die Maus diese Möglichkeit ziemlich oft mit ihrer Freundin nutzt, liegt mir die Schnecke fast täglich in den Ohren, wann sie mal wieder ihre beiden Zwillingsfreundinnen anrufen darf. Da ich aber noch auf eine Antwort der Mutter wartete, bot ich Oma als Alternative an. Und das war eine tolle Idee – die beiden beschäftigten sich eine halbe Stunde lang super miteinander. Ein weiteres Hoch auf die Technik! Kurz nachdem die Session beendet war, meldete sich überraschenderweise die Freundinnen-Mutter, ob die Mädels vielleicht gleich telefonieren sollen. Also gut. Schnecke wieder ran an die Kamera. So zog eine weitere halbe Stunde ins Land (diesmal mit Luftballons-um-die-Wette-aufpusten und -sausen-lassen). Dann war es aber wirklich genug. Ich hoffe, die nächsten Tage fragt keiner mehr danach.

Vor dem Chat telefonierte ich selbst mit meiner Mutter. Es ging um Ostern. Ursprünglich hatten wir uns ja gedacht, dass wir uns im kleinen Kreis treffen könnten. Aber nun sind wir alle wieder verunsichert und wollen nix riskieren – weder dass sich jemand mit Corona ansteckt, noch einen Verstoß gegen das Kontaktverbot. Einerseits bin ich erleichtert, dass sie das Thema in den Raum geworfen hat und es auch so sieht, andererseits bin ich wirklich traurig, dass wir uns dann noch länger nicht sehen können. Meine Oma haben wir schon seit bald 2 Monaten nicht gesehen, das macht mich noch trauriger, denn wer weiß, wie viel Gelegenheit man überhaupt noch dazu hat.

Abends gab’s die übliche Fahrradrunde in der Standardvariante. Die Kinder lieben es (v.a. die Schnecke), aber wenn ich ehrlich bin, hoffe ich auf einen Regentag – ich kann das nicht die nächsten 2 Wochen so weitermachen, sonst krieg ich nen Vogel.

Tja und nun sitze ich wieder auf der Bettkante. Ich hasse hasse hasse es. Mehr noch als die Fahrradrunde. Zwei Tage konnte ich mich wie durch ein Wunder darum drücken, da ging es mit ein bisschen gut zureden ohne mich. Heute gab es wieder Tränen. Wegen den Monstern. Also bleibe ich.

Wir bleiben zu Hause -Tag 17

Heute war ein Turbotag. Aufstehen, arbeiten, essen, einkaufen, Fahrrad fahren, schlafen.

Am anstrengendsten war definitiv wieder der Einkauf, denn ich hasse einkaufen sowieso und jetzt, wo wir jeden Tag kochen müssen und auch immer alle daheim essen, brauchen wir eben ein Vielfaches unseres normalen Wocheneinkaufs. Ich will aber auf keinen Fall mehr als ein Mal die Woche in den Supermarkt, also schleppe ich mich ungefähr eine Stunde lang durch die Gänge, versuche dabei, möglichst wenig zu atmen (…) und möglichst viele gut kombinierbare Zutaten zu kaufen. Natürlich habe ich eine Einkaufsliste dabei, die abgearbeitet wird, aber manches muss ich dann doch spontan entscheiden. Und auch entscheiden ist eigentlich so gar nicht meins.

Zu Hause brauche ich dann nochmal bestimmt 20 Minuten, um die Einkäufe zu verräumen, das ist fast noch schlimmer, als das Einkaufen. Zum Glück haben wir im Keller einen zweiten Kühlschrank, sonst würde das mit einem Einkauf pro Woche auf gar keinen Fall klappen. Nun ja, jetzt habe ich jedenfalls wieder eine Woche Pause.

Morgen muss ich unbedingt mit den Kindern mal wieder ein bisschen „Programm“ machen. Ballett, Musik, ein Experiment oder etwas ähnliches, damit es uns nicht zu eintönig wird. Oder mir. Die abendliche Fahrradtour ist ja mittlerweile gesetzt, so dass ich möglichst nachmittags „Gas geben“ muss. Mal sehen, ob ich mich aufraffen kann!

Wir bleiben zu Hause – Tag 16

Nach dem gestrigen Tief ging es heute wieder ein wenig aufwärts. Einen Teil der guten Laune habe ich mir zugegebenermaßen erkauft – mit einer Nähmaschine! Schon länger habe ich damit liebäugelt, aber jetzt war der Zeitpunkt gekommen, da ich ein super Angebot für eine Einsteigermaschine entdeckt habe. Nun muss ich mich bis Samstag gedulden (falls sich die Lieferung nicht verzögert), was mir ziemlich schwer fällt.

Nach dem nachmittäglichen Rumgammeln auf dem Sofa nahm ich mir endlich unsere Zimmerpflanze vor. Ich hatte schon länger einen neues Granulat und einen neuen Pflanztopf dafür gekauft, weil der alte Topf gerissen war und das Granulat hoffnungslos ausgelaugt und eingestaubt, da 8 Jahre lang eine Feinstrumpfhose drübergezogen war, um sie vor pickenden Babyfingern zu schützen. Die Maus half mir zwischendurch immer wieder mal, aber die Wurzeln waren doch sehr hartnäckig mit dem alten Granulat verwachsen, so dass es eine ganze Weile dauerte, die Pflanze freizulegen. Aber: Das Ergebnis kann sich sehen lassen! Wenn die Pflanze die Aktion nun noch überlebt – womöglich sogar wieder gelegentlich ein Blatt austreibt – dann freu ich mich sehr.

Obwohl ich eigentlich nach der Umtopferei keine Lust mehr auf Rausgehen hatte, überredete die Schnecke uns zu einer Runde „Fahrrad-Spaziergang“. Sie hat da echt Blut geleckt und liebt Fahrrad fahren (im Gegensatz zu mir). Wir fuhren unsere „Standardrunde“, aber sie war irgendwann so flott unterwegs, dass ich einfach nicht mehr mithalten konnte. Also ließ ich sie ziehen und drückte die Daumen, dass sie weder in den Acker fährt, noch anderweitig umfällt. Und: es klappte! Somit ist der nächste Meilenstein genommen, die Schnecke fährt Rad ohne mich als ständigen Schatten und Kapuzenhalter! Und auch die Maus macht riesen Fortschritte, sie kann nun beide Hände zu einem wunderschönen Abbiegezeichen vom Lenker nehmen – jippie! Es zahlt sich einfach aus, etwas konsequent zu üben – wenn man eben die Zeit dazu hat.

Unser Sofa-Abend startete ungeahnt früh, da ich nach zwei Abenden Bettkantensitzen wie durch ein Wunder doch das Kinderzimmer verlassen konnte. Aber ich traue der Lage noch nicht und bin gespannt, was morgen kommt…

Wir bleiben zu Hause – Tag 15

Heute war einer dieser Tage, die eigentlich weg können. Nicht nur, weil es Montag nach der Zeitumstellung war mit Arbeit, Nachrichten, Alltag.

Mittags kam die Nachricht einer Arbeitskollegin, dass ihre Mutter verstorben sei – sie war gestern ins Krankenhaus eingeliefert worden und man wusste, dass es dem Ende zugehen würde. Aber wegen Corona-Fällen, die derzeit auf der Intensivstation des Krankenhauses behandelt werden, durfte meine Kollegin ihre Mutter nicht mehr besuchen.

Mein Gedankenkarussell steht seitdem nicht mehr still. Es kann so schnell gehen! Und in dieser Zeit ist dann alles anders als normal. Man will das gar nicht wahrhaben, es ist einem gar nicht so klar, wenn man davon nicht selbst betroffen ist, dass auch „normale“ Patienten davon betroffen sind. Dass auch Menschen plötzlich alleine sterben müssen, die kein Corona haben, obwohl sie Angehörige haben, die ihnen gerne beistehen würden.

Der Rest des Tages bestand aus Keyboardunterricht, Videotelefonie und Fahrradfahren. Vielmehr bin ich die komplette Strecke neben der Schnecke hergerannt – ich bin fast ein wenig begeistert, dass ich das überhaupt durchgehalten habe. Sonst renne ich höchstens mal die Treppe runter, wenn das Telefon klingelt…

Am Abend gab es dann Flädlesuppe. Wenigstens das. Eine wärmende Suppe, passend zu den kalten Außentemperaturen und meiner frostigen Stimmung.

Wir bleiben zu Hause – Tag 14

Und schon ist das dritte Wochenende zu Hause vorbei. Der Sonntag verging so schnell, dass man sich abends fragte, wo er nur geblieben ist. Das lag natürlich größtenteils an der Zeitumstellung letzte Nacht, die dafür sorgte, dass die Kinder erst um halb 10 aufwachten.

Zu Mittag ließen wir es uns richtig gut gehen und kochten Spargel mit Schinken und Flädle. Äh pardon – Pfannkuchen, mmmh! Und weil es dauerregnete (bzw. zwischendurch sogar mal schneite), verließen wir das Haus überhaupt nicht.

Als der Wunsch nach körperlicher Betätigung größer wurde, nutzen wir wieder einen Onlinekurs unserer Ballettschule – alle drei Damen des Hauses gemeinsam. Sehr nett.

Um 18 Uhr spielten wir mit den Nachbarn zusammen aus den Fenstern heraus die „Ode an die Freude“. Letzten Sonntag waren wir dem Aufruf im Internet noch nicht gefolgt, aber als die Maus dann die ganzen Instrumente im Garten hörte, wollte sie an diesem Sonntag unbedingt dabei sein. Leider regnete es so sehr, dass alle in ihren Zimmern – mit geöffneten Fenstern – spielten und man sich deshalb nur schwer hören konnte. Aber Spaß hat es trotzdem gemacht. Von irgendwo gab es sogar Applaus… :-)

Vor dem Abendessen schauten wir uns ein Livestream-Wohnzimmerkonzert von einem meiner Lieblingskünstler an – so schön. So hart es für die Künstler momentan ist, all ihre Gigs ausfallen lassen zu müssen, so schön sind die improvisierten Alternativen.

Beim Schlafengehen tischte die Schnecke mir dann die nächste Katastrophe auf, die uns vermutlich noch eine Weile begleiten wird: Es wohnen Monster in unserem Haus! Selbstverständlich auch in ihrem Kinderzimmer und sie wollen sie auffressen. Na super. Mir ist klar, dass mein Erwachsenen-Gefasel von wegen „Es gibt keine Monster“ keinerlei deeskalierende Wirkung hat und deswegen sitze ich nun – nachdem es viele (und vor allem laute) Krokodilstränen gab – entgegen aller meiner Vorsätze ziemlich angefressen, genervt und mit Rückenschmerzen auf der Bettkante bei der Schnecke und warte darauf, dass sie endlich einschläft. Wenigstens kann ich meinen Blogartikel tippen. Aber das Gefühl triggert doch sehr meine unguten Erinnerungen an „damals“, als ich jeden Abend ewig lang am Bett der Schnecke sitzen musste, während „draußen“ das Leben an mir vorüber zog… Ich hoffe sehr sehr sehr, dass wir die Monster schnell verjagt bekommen!

Wir bleiben zu Hause – Tag 13

Hoch die Hände – Wochenende! Auch wenn die Übergänge zwischen Werktag und Wochenende derzeit fließend sind, war der Samstag eindeutig entspannter. Fast ein Samstag wie immer, nur ohne Wocheneinkauf und ohne Tennis.

Den Vormittag verdudelten wir mit einem Spätstück und etwas Kinder-Fernsehen. Mittags gab es nochmal Essen vom Grill, bevor die Temperaturen morgen wieder in den Keller sinken.

Eigentlich wollte ich nachmittags eine Pflanze umtopfen, da mir gestern endlich das Substrat dafür geliefert wurde. Aber dann sind wir doch auf den Terrassenstühlen versumpft und es gab nur Kaffee und Kuchen ohne Fleiß.

Fleißig wurden wir erst gegen Abend. Da zogen wir nochmal mit den Rädern los. Die Schnecke verlangte freiwillig nach ihrem lila Rad (yeah!) und wir wählten heute eine ziemlich flache Strecke, nachdem ich gestern gefühlt den ganzen Weg lang aufwärts schieben mussten. Die heutige Strecke verhalf uns dann auch direkt zu einem Erfolgserlebnis – die Schnecke legte ihre ersten Meter alleine zurück! Champagner! Konfetti! Und um auch die Maus zu loben: Kurz vor Schluss der Tour ermutigte ich sie, die Hände versuchsweise abwechselnd kurz vom Lenker zu nehmen – das Abbiegen möchte ja auch gelernt sein. Zu meiner großen Überraschung schaffte sie es tatsächlich! Zwar immer nur sehr kurz, aber hey – wer die Maus kennt weiß, wie unglaublich diese Entwicklung ist! Sie kann seit dieser Woche sogar die Gangschaltung an ihrem Rad bedienen! Wenn das alles so weitergeht, muss ich womöglich noch meinen eigenen Drahtesel wiederbeleben…

Zurück zu Hause filmten wir kurz die Maus beim Keyboard spielen, denn so verschafft sich die Lehrerin einen kurzen Überblick vor dem digitalen Unterricht. Netter Nebeneffekt: die Videos können direkt auch an die Großeltern verschickt werden – Wohnzimmerkonzert frei Haus…

Und weil das Radfahren heute offenbar nicht anstrengend genug war, wollte die Maus noch eine Online-Ballettstunde mittanzen. Es gab sogar ein neues Video mit einer Profi-Ballerina, die eigentlich in den nächsten Tagen einen Workshop angeboten hätte – so konnten wir diesen zu Hause genießen und haben uns über ihre nette Art gefreut. Sie war so erfrischend, dass sogar die Schnecke von Anfang bis Ende mitgetanzt hat. Trotz ihrer Ansage, nie mehr zum Ballett zu wollen. Vielleicht sollte ich doch mal über einen Wechsel zu einer anderen Lehrerin nachdenken…?

Abends schrieben die Kinder noch E-Mails – die Maus an ihre Klassenlehrerin, die Schnecke diktierte mir eine an den Kindergarten. Die Badewanne rief zudem und ruck zuck war es angesichts der Zeitumstellung heute Nacht viel, viel, viel zu spät. Aber morgen ist ja Sonntag, da ist das nur halb so tragisch…

Wir bleiben zu Hause – Tag 12

Und wieder Freitag. Wahnsinn, wie schnell die Tage ins Land ziehen, obwohl man zu Hause sitzt. Heute war die Maus die einzige, die „arbeiten“ musste. Zum Glück nahm sie das ohne Murren hin, hatte uns morgens beim Aufstehen lediglich ermahnt, warum es so spät sei (ich hatte den Wecker auf 8 Uhr statt 6:40 Uhr gestellt…). Sie wolle doch bis zur Sendung mit der Maus fertig sein mit ihren Schulaufgaben. Also beeilten wir uns mit dem Frühstück und die Maus schaffe es noch, pünktlich fertig zu werden.

Weil die Sonne endlich wieder schön warm vom Himmel schien, grillten wir zu Mittag. Als Nachtisch genehmigten wir uns die Milchschnitten, die wir am Vortag gebacken hatten.

Für den Nachmittag hatten wir uns wieder eine Radtour ausgesucht. Was die Kinder nicht wussten war, dass wir der Schnecke ein neues Rad bestellt hatten und wir dieses auf dem Weg zum Feld abholen wollten. Als wir dort vorfuhren, fand sie Schnecke die Idee überhaupt nicht gut, denn sie wollte ihr Rad gar nicht eintauschen. Ihr war es immerhin egal, wie schwer es der „Anschieber“ hat und sie konnte gar nicht nachvollziehen, warum da jetzt ein neues Rad her soll. Noch schlimmer wurde es, als mein Mann mit einem roten Rad ums Eck kam. Sie weinte bittere Tränen, schimpfte und zeterte. „Ich hasse rot!“ schniefte sie. Dabei hatte sie noch beim Kauf des Fahrrads der Maus so sehr auf die roten Räden geschielt, während die Maus ein blaues wollte. Wir fuhren mit dem Auto zum Feld, auf dem wir fahren wollten. Aber daran war nicht zu denken, die Schnecke zeigte uns ein Mal mehr, wer der Boss in unserem Haus ist. Sie wollte sich nichtmal aufs Rad setzen. Also packten wir alles wieder in den Kofferraum und fuhren zur Werkstatt zurück, die uns das Rad montiert hatte. Die verheulte Schnecke und mein armer Mann gingen hinein… und kamen nach kürzester Zeit mit einem lila Rad und einer strahlenden Schnecke wieder heraus.

Eine sehr erfolgreiche Stunde später hatte die Schnecke mit dem Alu-Rad ihre ersten Meter alleine zurückgelegt und verkündete, dass sie ihr neues Rad nicht mehr zurückgeben möchte. Puh! Ein Glück, hatten wir das rote Rad nicht vom Osterhasen bringen lassen…

Wir bleiben zu Hause – Tag 11

Wieder liegt ein gut gefüllter Tag hinter uns. So voll, dass ich gar nicht zum Bloggen gekommen bin. Ich hole das der Vollständigkeit halber aber nach, denn ich hätte schon gern ein „komplettes“ Tagebuch von dieser ungewöhnlichen Zeit…

Der Morgen startete mit einer tollen Überraschung aus unserem Kindergarten. Wir bekamen eine Mail mit einem super netten Video, auf dem ein paar Erzieher/innen erzählt, experimentiert und gesungen haben. Die Kinder hatten Spaß und ich war richtig gerührt, dass unser Kindergartenteam sich die Mühe macht. Ich weiß, dass diese Idee insbesondere dem ehemaligen Bezugserzieher der Maus zuzuschreiben ist, er ist ein richtig kreativer Kopf und im Herzen mindestens so sehr Musiker wie Erzieher. Aber auch die anderen, die sich z.T. zu Hause gefilmt haben beim experimentieren – mein Herz geht auf angesichts so viel Liebe und Mühe!

Beflügelt von den Bildern verabschiedeten mein Mann und ich uns für eine Frisörsession ins Bad. Ich habe ja schon oft die Haare der Mädels gekürzt, aber einen Kurzhaarschnitt – das habe ich nur als Jugendliche beim damaligen Freund meiner Freundin mal versucht. Kurz bevor wir seine Haare blau gefärbt haben… Natürlich hatte ich mir diesmal für ein möglichst gutes Ergebnis diverse YouTube-Videos angesehen und fühlte mich gut vorbereitet. Und um es abzukürzen: Es war ein voller Erfolg! Möglicherweise werde ich nun öfter diesen Job übernehmen müssen…

Nach dem Mittagessen begab ich mich mit den Mädels ins die Küche. Die Maus wollte selbst Milchschnitten backen, die Schnecke Milchshake machen. Nachdem ich am letzten Mittwoch sowohl Mehl als auch Milch ergattern konnte, gewährte ich ihnwn diesen Wunsch. Wir verbrachten ziemlich viel Zeit in der Küche und krönten die Session mit dem Verzehr der sehr leckeren Milchshakes.

Zum Rausgehen hatten wir irgendwie keine Lust mehr, es war trotz Sonne so kalt und windig, dass wir uns einfach mal einen Indoor-Tag gönnten.

Wir bleiben zu Hause – Tag 10

Jetzt wird es zweistellig! 10 Tage sind wir nun schon isoliert von der Außenwelt und ich muss sagen: An meinem „normalen“ Alltag vermisse ich nichts. Ich vermisse es nicht, die Kinder morgens zu hetzen, zu den ganzen Freizeitterminen zu düsen oder wilde Playdates auszuhalten. Ich genieße es, dass mein Mann zu Hause ist und wir jeden Tag zu viert einen kleinen Ausflug in die Natur machen, dass ich auf der Terrasse in der Sonne meinen Mittagskaffee trinken kann, dass die Kollegen auch von daheim arbeiten und ich so nicht die einzige bin, die nicht vor Ort live und in Farbe dabei ist, dass es so viele tolle Onlineangebote gibt und und und.

Aber – ein großes Aber – wir vermissen die Großeltern. Allen voran fehlt meine Mutter, denn die Kinder sind es gewohnt, sie mehrmals die Woche um sich zu haben und nun nicht zu wissen, wie lange wir auf sie verzichten müssen, macht uns traurig. Und sie auch. In meinem Hirn rattert es schon lange, wie man die Situation überhaupt jemals wieder ändern kann. Aber ich hoffe sehr, dass es bald eine Lösung geben wird, auch wenn ich mir im Moment noch nicht vorstellen kann, wie diese aussehen soll.

Heute Vormittag jedenfalls bin ich seit langem mal wieder richtig zum Arbeiten gekommen, da mein Mann ja nun den Rest der Woche freinehmen musste. Die Schnecke spielte eifrig mit ihm, während die Maus wie immer fleißig ihre Hausaufgaben machte. Zur Belohnung und Entspannung nutzen wir um halb 12 immer die zur Zeit täglich laufende „Sendung mit der Maus“, die Kinder lieben es.

Da die Maus fast täglich E-Mailverkehr mit ihrer Klassenlehrerin hat (das ist ein Teil des Wochenplans), stellte sie fest, dass sie eigentlich gern mehr schreiben würde, es aber so mühsam ist, alles zu tippen. Also suchte mein Mann ihr ein Online-Angebot heraus, wo man lernen kann, im 10-Finger-System zu tippen. Die ersten Übungen hat sie toll absolviert, ich bin gespannt, ob sie dran bleibt. Ich habe das in einem ähnlichen Alter gelernt. Damals musste man alles vom Papier abtippen, aber selbst das hat mir Spaß gemacht – so ein buntes, tolles Computerprogramm hätte mich sicher noch mehr begeistert.

Zu unserem allabendlichen Spaziergang wollte die Schnecke tatsächlich immernoch unbedingt Fahrrad fahren lernen. Also versuchten wir es und ich lief eine halbe Stunde innerlich ächzend und krächzend hinter der Schnecke her. Dieses Rad…! Ich fürchte, auch sie kommt mit dem Gewicht des Fahrrads nicht klar – ich konnte es kaum halten beim Fahren. Aber insgesamt hat die Schnecke sich gut angestellt für den ersten Versuch! Ich bin gespannt, ob sie morgen ihre Ankündigung wahrmacht, wieder mit dem Fahrrad üben zu wollen.

Abends spielten wir dann unsere am Wochenende begonnene Monopoly-Runde zu Ende und… ICH HABE GEWONNEN! Was für ein schöner Tagesabschluss für mich! :-)

Morgen wollen wir vielleicht backen, mal sehen, ob unser Zeitplan es wirklich hergibt. Aber die Kinder haben in einem Prospekt ein Kuchenrezept entdeckt und das soll nun unbedingt auf den Tisch. Und ja… Kuchen geht bei mir immer!

Wir bleiben zu Hause – Tag 9

Heute Morgen gab es Neuigkeiten vom Arbeitgeber meines Mannes. Neuigkeiten, die wir erwartet hatten, aber die doch irgendwie unangenehm sind. Jedenfalls muss mein Mann ab sofort seine Arbeitszeit halbieren. Der einzige Vorteil ist, dass ich dann vielleicht mal länger als 10 Minuten am Stück arbeiten kann. Aber die Unterbrechungen durch die Schnecke hätte ich gerne weiter in Kauf genommen, wenn uns die Kürzung dafür erspart geblieben wäre. Nun müssen wir uns also wieder einen neuen Rhythmus aneignen, nachdem der „alte neue Rhythmus“ sich schon ganz gut gefestigt hatte. Aber ich will nicht klagen, 50 % ist mehr als 0 %. Oder Minus.

Wir wurschtelten uns also weiter durch den Tag, Schularbeiten, Homeoffice, Spielen, Essen. Die Sonne lachte durchs Fenster, das hebt ja bekanntlich die Laune.

Besonders gefreut habe ich mich darüber, dass ich den für heute geplanten Wocheneinkauf doch erst morgen machen muss. Wir vermeiden ja das Unter-die-Leute-Gehen so gut wie möglich und bis auf zwei, drei Besuche beim Bäcker konnten wir von meinem Einkauf letzten Mittwoch leben. Vermutlich wären auch noch ein, zwei Tage mehr drin, aber das Gemüsefach möchte Nachschub und auch ein paar Milchprodukte und Grillzutaten wären nett.

Am Nachmittag starteten wir ein „Projekt“, das ich mir für die Zeit zu Hause vorgenommen habe: Alle Spiele, die hier herumliegen, mal durchspielen und schauen, ob etwas weg kann. Vermutlich nicht, denn im Weggeben sind wir alle keine Meister, aber immerhin haben wir die Spiele dann nochmal genutzt und Zeit rumgebracht.

Zwischendurch klingelte mein Handy – die beiden Zwillingsschwestern, mit denen die Schnecke derzeit am besten befreundet ist, standen mit ihrer Mutter vor dem Haus. Wir gingen also kurz vor die Tür, um aus sicherer Entfernung ein paar Worte zu wechseln. Dabei brachte die Schnecke ausdrücklich den Wunsch hervor, dass sie auch mal Videotelefonie mit ihren beiden Freundinnen ausprobieren möchte. Nun denn – vielleicht bekommen wir es morgen hin.

Abends ging es dann wieder mit den Rädern übers Feld. Es war so kalt, dass wir nur eine kleine Runde drehten, aber immerhin. Fazit der Runde war: Die Schnecke möchte Fahrrad fahren lernen. Das wollen wir morgen mal ausprobieren, denn sie hat letztes Jahr zu Ostern ein Fahrrad bekommen, das noch quasi ungenutzt herumsteht. Allerdings waren wir da noch nicht auf dem „Alu-Trip“ und haben auch für die Schnecke ein klassisches, schweres Rad gekauft. Mal sehen, ob sie damit besser klarkommt als ihre Schwester. Notfalls muss der Osterhase dieses Jahr seinen Fauxpas wiedergutmachen…

Wir bleiben zu Hause – Tag 8

Woche 2 unserer Zu-Hause-Zeit startete mit einem sehr, sehr vollen Tag. Wie schnell man sich doch daran gewöhnen kann, kaum Verpflichtungen zu haben und wie ein klein wenig Programmüberfluss dann ausreicht, um in Stress zu verfallen!

Nach dem morgendlichen Homeschooling und Pseudo-Arbeiten mit Schnecke auf dem Schoß hatte die Maus wieder digitalen Keyboard-Unterricht. Wir haben in der letzten Woche „aufgerüstet“ und einen Repeater gekauft, so dass ich dafür nicht mehr das Keyboard inkl. Zubehör durchs Haus tragen musste. Es fühlte sich auch schon gar nicht mehr so spektakulär an. Hatte die Maus letzte Woche noch ziemlich darüber gestaunt, was mit Videotelefonie alles möglich ist („Mama – ist [die Lehrerin] jetzt allein in meinem Zimmer??“), haben wir die letzten Tage sooo viele Leute „auf dem Schirm gehabt“, dass es schon fast alltäglich ist.

So alltäglich, dass die Maus etwas genervt von den vielen Videotelefonaten ist. Ihre beste Freundin ruft mittlerweile jeden Tag an, das möchte sie gar nicht, ich spüre das. Also muss ich nun zusehen, wie ich das wieder begrenzen kann, ohne die Freundin zu kränken… Ihre Klassenkameraden vermisst die Maus auch sehr. Sie ist außerdem ein bisschen verliebt in einen Jungen aus ihrer Klasse, das macht die Schulschließung auf unbestimmte Zeit noch trauriger für sie…

Nach dem Mittagessen putzte ich mit den Kindern gemeinsam die Gästetoilette. An sich nichts besonderes, aber diesmal standen beide äußerst wissbegierig um mich herum und wollten unbedingt mithelfen. Man merkt, dass der übliche Input aus Schule und Kindergarten fehlt. Aber das können wir ausgleichen, es gibt noch viele Putz-Baustellen in unserem Haus! :-)

Gegen später fand ich heraus, dass unsere Ballettschule mittlerweile diverse Onlinekurse erstellt hat, so dass wir uns alle drei sportlich betätigten. Ja, alle drei! Zumindest am Anfang. Die Schnecke hatte bald keine Lust mehr und ich mimte nach jeder halben Übung den Fotografen, damit ich meine ermüdeten Muskeln besser kaschieren konnte…

Bevor wir abends unseren mittlerweile obligatorischen Outdoor-Rundgang starten, spielten wir noch eines unserer liebsten Karten- bzw. Würfelspiele und hätten noch viel, viel mehr Programm gehabt, als die Stunden des Tages es hergegeben haben.

Wir bleiben zu Hause – Tag 7

Heute war also Sonntag. Ein bisschen fühlte es sich wie ein ganz normaler Sonntag an. Die Mädels ließen uns bis 10 Uhr ausschlafen (!), dann frühstückten wir, schauten die Sendung mit der Maus und kochten leckeres Mittagessen. Hätte ich nicht diverse Nachrichten mit den neusten „Corona-Comics“ aufs Handy bekommen, hätte ich verdrängen können, was gerade los ist in der Welt.

Nachmittags wollten wir nach draußen, aber bitte nicht wieder zu einer gefühlten Völkerwanderung um irgendwelche Stadtwäldchen herum. Also stiegen wir ins Auto, um zu einem 20 Minuten entfernten Ort zu fahren, an dem wir bisher ebenfalls noch nie gewesen waren (und blieben somit nicht wirklich daheim, aber selbstverständlich trotzdem fern von anderen Menschen).

Der Spaziergang tat richtig gut, die Natur lenkte einen ab und sogar den Kindern gefiel es schließlich, obwohl sie anfangs ziemlich schlechte Laune hatten, als wir den Ausflug ankündigten. Es gab aber viel zu sehen und entdecken – frisch gepflügte Felder, frisch gefällte Bäume im Wald, Wiesenblumen und so manchen „Schatz“, den wir zum Basteln mit nach Hause nehmen mussten.

Abends probierten wir ein Kinder-Fitnessvideo aus, das derzeit in aller Munde ist, aber es kam bei unseren beiden nicht allzu gut an. Zu viel Ball- und Koordinationsübungen. Morgen stellt aber auch unsere Tanzschule Videos online, vielleicht ist das ja eher was für uns.

Am Abend videotelefonierte die Maus nochmal mit ihrer Freundin, als draußen tatsächlich ein paar Leute einem Internetaufruf folgten und „Ode an die Freude“ spielten. Auch bei der Freundin, die ein Stück von uns weg wohnt. Vielleicht hätten wir mitmachen sollen, just for fun. Beim nächsten Mal vielleicht.

Morgen beginnt dann die neue Arbeitswoche. Bauchschmerzen bereitet mir die Frage, wann der „Cut“ bei meinem Mann in der Arbeit kommt. Letzte Woche lief alles wie gewohnt, aber jede Firma muss ja nun sehen, wo sie bleibt und ich hoffe sehr, dass das alles irgendwie glimpflich ausgeht.

Nun werden wir noch zu Abend essen und die Kinder ins Bett bringen – morgen geht’s ja wieder früh raus zum „Homeschooling“…

Wir bleiben zu Hause – Tag 6

Das Wochenende startete für mich ziemlich gut. Nachdem die Schnecke um kurz nach 7 Uhr wach war und ich mich innerlich schon darüber aufregte, dass sie sogar jetzt, wo wir immer daheim sind, noch spürt, dass Wochenende ist und früher wach wird als an einem Wochentag, stand völlig unverhofft mein Mann auf, um die Kinder zu übernehmen und ich durfte bis nach 10 Uhr schlafen. ♡

So war der Vormittag für mich auch ziemlich schnell gelaufen. Nach dem Mittagessen durfte die Maus ein Videotelefonat mit ihrer besten Freundin halten. Das kam sehr gut an und ich plauschte parallel mit ihrer Mutter am Telefon. Leider ging es auch hier hauptsächlich um die aktuellen Geschehnisse – über was soll man momentan auch reden…

Da es nach dem Gespräch immernoch in Strömen regnete, musste ein Indoorprogramm her. Also schnappten wir uns ein Brettspiel und spielten zu viert bis es Zeit fürs Abendessen war. Mein Mann telefonierte ein wenig mit seinem Kumpel, ich mit meiner Tante und schon war der Tag gelaufen. Es ist erstaunlich, wie viel man plötzlich telefoniert…

Ein kleines Bad für die Mädels rundete den Tag ab, morgen ist dann Sonntag und ich hoffe, dass wir zumindest ein bisschen nach draußen kommen.

Wir bleiben zu Hause – Tag 5

Heute ist Freitag. Normalerweise ein Wochentag, den ich sehr gerne mag, denn ich muss nicht arbeiten, hole die Kinder recht früh aus Schule und KiTa ab und fahre dann zu meiner Mutter. Dorthin kommt meist auch meine Tante zu Besuch, gelegentlich fahren wir auch bei meiner Oma vorbei. Heute war das natürlich anders. Die Maus erledigte den Rest ihres Wochenplans für die Schule und die Schnecke spielte mit mir, während mein Mann im Homeoffice arbeitete.

Ich muss sagen, ich bin schon ein bisschen begeistert davon, wie schnell die Lehrerinnen unserer Klasse einen Wochenplan erstellt haben. Deutsch, Mathe, Sachkunde und Englischaufgaben hat die Maus bekommen, schön aufbereitet für drei Wochen. Und das, obwohl in unserer Klasse bisher nicht mit Wochenplänen gearbeitet wurde. Dazu gab es per Email Lösungen für die Eltern, damit die Kinder zeitnah Rückmeldung bekommen. Mir ist dabei durchaus bewusst, dass es Kinder gibt, die mit den Plänen alleine gelassen werden, weil die Eltern keine Hilfe leisten können oder wollen. Aber in solchen Zeiten ist eben alles improvisiert und ich bin froh, dass die Schule so schnell reagiert hat.

Nachmittags telefonierten wir dann wieder mit Oma, leider klappte die Videotelefonie diesmal nicht – ich hoffe, es lag an der App und nicht an ihrem WLAN, denn Vor-Ort-Support kann ich ja momentan nicht leisten. Ein wenig besorgt mich, dass meine Mutter Halsschmerzen bekommen hat – ich hoffe, es ist „nur“ ein ganz normaler Infekt, aber wer weiß das schon.

Nachdem wir mittags das tolle Wetter ein vorerst letztes Mal zum Grillen genutzt hatten, zogen wir spätnachmittags erneut mit den Rädern der Kinder los. Diesmal hatten wir mehr Glück und eine nicht gänzlich überfüllte Strecke ausgewählt, dafür ging es zum Teil ordentlich „off road“. Aber auch das ist für die Mädels nicht schlecht, um Fahrpraxis zu bekommen, in der Realität fährt man ja auch nicht nur über topfebene Straßen. Wir kamen wieder an wunderschönen Feldern und Wiesen vorbei, auf denen wir noch nie zuvor gewesen sind, obwohl sie nur wenige Minuten von unserem Zuhause entfernt liegen. Wäre die Situation nicht so traurig, könnte ich ins Schwärmen geraten… Die Wolken, die aufzogen, ergaben in Kombination mit den restlichen Sonnenstrahlen so ein starkes Bild, es passte in meinen Augen so gut zur derzeitigen Lage. Man weiß nur noch nicht, ob die dunklen Wolken die Reste der Sonne verdecken, oder ob die Sonne sich durch die dunklen Wolken kämpft…

Und um noch poetischer zu werden, kamen wir auf halber Strecke an einem Gartenhaus vorbei, das eine Sonnenuhr auf der einen Seite trug, beschriftet mit dem uralten, recht kitschigen Poesiealbum-Spruch:

„Mach es wie die Sonnenuhr – zähl die heiteren Stunden nur!“

Auch wenn es nicht leicht ist, vielleicht hat man derzeit keine andere Wahl, als zu versuchen, sich an den positiven Aspekten der Tage zu erfreuen, um Kraft zu sammeln für das, was noch vor uns liegt…

Wir bleiben zu Hause – Tag 4

Bevor das Wetter demnächst wieder grau und trüb wird, wollten wir heute angrillen. Nur wir vier, daheim im Garten – versteht sich von selbst. Sehr lecker war es, trotzdem stimmte es mich ein wenig wehmütig, denn mit diesem Grill hatten wir letztes Jahr eine so tolle Zeit in Schweden verbracht und mein Herz weint bei dem Gedanken daran, dass wir unsere Schwedenreise in diesem Jahr vielleicht stornieren müssen… Noch klammere ich mich an einem Fünkchen Hoffnung fest, mein Mann ist aber sicher – das wird nix…

Trotzdem war die Stimmung heute tagsüber sehr gut. Die Maus hatte ihre Schulaufgaben ruck zuck fertig und dadurch mehr Zeit, um mit der Schnecke zu spielen, so dass ich verhältnismäßig lange am Stück arbeiten konnte. Außerdem gab die Sonne mittags nochmal alles, so dass wir fast den ganzen Nachmittag im Garten saßen und ich so nun hoffentlich wenigstens meinen ach so schwächlich Vitamin D3-Haushalt aufpolieren kann…

Am späten Nachmittag zogen wir wieder mit den Rädern los, diesmal wollten wir eine neue Route ausprobieren. Leider war die Idee nur halb toll, denn es waren dort sooo viele Leute unterwegs, dass man sich doch wieder unwohl fühlte. Auf dem Rückweg kamen wir aber auch an dem Feld vorbei, auf dem wir gestern waren und auch dort war deutlich mehr los, als am Vortag. Man merkt deutlich, dass die Leute Zeit haben und nach draußen drängen.

Abends kam dann leider nichts für uns Interessantes im Fernsehen, so dass ich leider viel zu viel im Internet las. Das stimmte mich wieder sehr, sehr nachdenklich und ich denke darüber nach, wie ich es schaffen könnte, vielleicht nur noch ein Mal am Tag die neusten Neuigkeiten und Hiobsbotschaften zu lesen. Vorzugsweise nicht vor dem Einschlafen. Handysucht lässt grüßen…

Morgen ist dann eigentlich mein „freier Vormittag“, der vermutlich darin bestehen wird, mit der Schnecke zu spielen, damit die Maus den Rest ihrer Schularbeiten machen kann. Und dann startet das Wochenende, leider mit Regen. Es gibt noch einiges an Hausarbeit zu erledigen – ich hoffe, das hilft mir durch die trüben Tage (wenn mir das jemand vor zwei Wochen erzählt hätte, dass mich Putzen mal durch den Tag tragen würde…!).

Wir bleiben zu Hause – Tag 3

Tag 3 unseres neuen Alltags startete wieder kurz vor 7 Uhr für mich und kurz nach 7 Uhr für den Rest der Bande. Das ist zwar früh, aber doch rund eine halbe bis Dreiviertelstunde später als im Normalfall und sichert uns unseren Abend zu zweit auf dem Sofa. Ein bisschen Pause von den Kindern muss ja auch sein…

Die Maus begab sich direkt nach dem Frühstück an ihre Schulaufgaben – ein weiter Punkt, für den ich sehr, sehr dankbar bin! Sie macht das einfach, keine Diskussionen, kein Herauszögern, wir haben so ein Glück. Die Schnecke kam wieder mit ins Büro, puzzelte dort und lies mich zumindest so viel arbeiten, dass ich das Wichtigste erledigen konnte.

Immer wieder checkte ich nebenbei die neusten Nachrichten. Frau Merkel würde abends eine Ansprache im Fernsehen halten. Irgendwie beschlich mich das doofe Gefühl, ein weiterer Einschnitt stünde bevor. Ausgangssperren oder so. Ich wollte also dringend nochmal einkaufen, bevor nach der Ansprache alle anderen loszogen… Gleich nach dem Mittagessen durften die Mädels also ein bisschen digitale Medien konsumieren, während mein Mann zurück an seinen Schreibtisch wanderte und ich zum Wocheneinkauf loszog.

Tatsächlich waren die Straßen beinahe gespenstisch leer. Der Parkplatz vor der Drogerie war leer, der Parkplatz vor dem Supermarkt auch. Ebenfalls leer waren aber auch viele Regale – da muss man schon gute Nerven haben, nicht ebenfalls zum Hamsterkäufer zu werden! Ich war jedenfalls froh, dass ich am letzten Wochenende 2 Liter Milch mehr mitgenommen habe, als sonst, denn das komplette Milchregal war l-e-e-r. Ebenso Nudeln, Dosen jeglicher Art, Tomatensoße, Klopapier, Tüten und und und. Alle Regale blanko. Da waren die Menschenmassen wohl direkt morgens shoppen… Das ist also der nächste Punkt der mir wirklich, wirklich Sorgen bereitet. Lebensmittel. In meiner Kindheit habe ich in einem Land gewohnt, in dem man zeitweise Schlange stehen musste, um rationierte Lebensmittel zu bekommen. Wenn man sie überhaupt bekommen hat. Irgendwo in meinem Inneren scheint diese längst vergessene Erinnerung eine gewisse Panik in mir aufkommen zu lassen…

Zurück zu Hause bastelten wir Bommel. Die Kinder hatten eine Bastelanleitung in einer Zeitschrift gefunden, wo diese ganz simpel über eine Gabel gewickelt werden. Also wickelten wir viele, viele Bommel. Und da unser Schrittepensum genau so mau aussah wie am Vortag, die Mädels den Spaziergang aber verweigerten, einigten wir uns darauf, dass sie uns mit dem Fahr- bzw. Laufrad begleiten. Wieder dem Sonnenuntergang entgegen…

Wir bleiben zu Hause – Tag 2

Heute war der erste Tag, an dem wir alle vier unseren neuen Alltag zu Hause bewältigen mussten. Die Maus hatte einiges an Schulaufgaben zu erledigen, die Schnecke spielte recht ausdauernd mit den längst vergessenen Spielsachen, die im Homeoffice-Büro so herumliegen. Mein Mann und ich arbeiteten an den gewohnten Plätzen – ich bin ohnehin seit 7 Jahren an 3 von 4 Tagen die Woche im Homeoffice und er sporadisch ebenfalls, gerne an freitags, weil da das Büro eh leer steht.

Nun haben wir also auch von unseren Arbeitgebern offiziell die Anweisung, ausschließlich im Homeoffice arbeiten. Was für ein Privileg! Ich bin so dankbar und denke täglich an diejenigen, die diese schwierige Situation anders lösen müssen… Unsere Eltern wollen wir gemäß den Empfehlungen der Experten erstmal nicht mehr besuchen, sie gehören alle der Risikogruppe an – das ist mit am schwierigsten an der Sache, denn wir sehen uns im Normalfall mindestens ein Mal die Woche…

Nachmittags spielten die Kinder im Garten, Seifenblasen fangen und Hexensuppe kochen, während ich Rosen und Sträucher zurückschnitt – da verging die Zeit fast wie im Flug.

Abends telefonierten wir per Videotelefonie mit meiner Mutter. Auch hier nochmal ein Hoch auf die Technik! Ich hatte ihr am Wochenende schon erzählt, dass wir den Kontakt – wie von den Experten empfohlen – nun schweren Herzens vorübergehend einstellen werden, was uns schwerfällt, aber ihr mit Sicherheit auch. Immerhin ist sie im Normalfall mindestens ein Mal die Woche bei uns und wir ein Mal bei ihr. Nun also nur eine digitale Oma. Doch ein ziemlicher Minuspunkt, den ich in meiner „Wir-haben-keine-Verbindlichkeiten-Euphorie“ gestern verdrängt habe…

Irgendwann stellten wir fest, dass wir zwar viel im Garten waren, aber tatsächlich kaum Schritte getan hatten. Also zogen wir unter lautstarkem Protest der Kinder los zu einem kleinen Abendspaziergang auf einem nahegelegenen Feldweg. Dem Sonnenuntergang entgegen. Wäre das alles nicht so tragisch, wäre es fast ein wenig romantisch…