Selbstportrait

In den letzten Tagen bin ich ein wenig blogfaul geworden. Das liegt zum einen daran, dass ich hier tausend Dinge zu organisieren habe, wie z.B. für meine Mutter die Rufnummernmitnahme von einem Telefonanbieter zum anderen. Wer schonmal Schwierigkeiten mit einem Telefonanbieter hatte, kann sich vielleicht vorstellen, was für ein (nervlicher) Aufwand das für mich war, nachdem tatsächlich nicht alles reibungslos klappte. Aber auch die Hitze macht mir zu schaffen und lässt mich noch antriebsloser sein, als ich sowieso schon bin. Und in den heißen Nächten, in denen ich mich im Bett umher wälze und nicht einschlafen kann, habe ich genug Zeit, um über das eigene Leben nachzudenken.

Gestern war bei uns Nachbarschaftsfest. Wir waren zum ersten Mal auch eingeladen, obwohl wir schon 4 Jahre hier in der Gegend wohnen, aber wir kennen ja auch die ausrichtende Familie nicht. Da wir jedoch ursprünglich terminlich verhindert waren, sagte ich ab. Voller Erleichterung. Ich hasse es nämlich, mich mit fremden Leuten unterhalten zu müssen. Smalltalk zu führen. So ganz jemand anders zu sein als ich eigentlich bin. Seit ich denken kann hatte ich Schwierigkeiten, auf fremde Menschen zuzugehen oder mich auf selbige einzulassen. Die Freunde, die ich habe, habe ich seit mittlerweile Jahrzehnten und diejenigen, die in den letzten 10 Jahren hinzugekommen sind, kann ich an einer Hand abzählen und mussten sich den Status auch erst im Laufe der Zeit „erarbeiten“. Irgendwie schätze ich unbewusst zunächst jede Person so ein, dass sie mir was Böses will. Oder zumindest nichts Gutes. Und dann gilt es für diese Person, mir das Gegenteil zu beweisen. Bis ich überzeugt bin, muss ich eine andere Person sein, als ich eigentlich bin. Mein „wirkliches“ Ich ist lustig, immer zu Scherzen aufgelegt und oft der Alleinunterhalter einer ganzen Gruppe von Menschen. Keine Spur von Scheu. Wer mich nicht gut kennt, kann sich nicht vorstellen, dass ich so aus mir herauskommen kann. Dann gibt es noch das Ich, das sich am liebsten ins letzte Eck verkriechen würde, wenn es ungewohnte Umstände vorfindet oder fremde Menschen und kein Wort sagt. Und es gibt mein Blogger-Ich, von dem nicht einmal mein Mann etwas weiß. Außerdem gibt es noch mein Mama-Ich, dass sich ständig überwinden muss, zum Wohl der Maus Dinge zu tun, die das schüchterne Ich am liebsten nie machen würde. Telefonate führen. Beschweren. Dinge wagen. Unplanbare Dinge akzeptieren.

Ich wünsche mir für mein Kind, dass es ein besseres Verhältnis zu Menschen bekommt, als ich es habe. Man sagt ja, der Umgang mit Menschen würde geprägt durch die Erfahrungen, die man als Kind gemacht hat. Und so bleibt mir nur zu hoffen, dass die Maus zur richtigen Zeit die richtigen Erfahrungen machen kann, um ein kommunikativer, offener Mensch zu werden. Mit nicht allzu vielen Ichs.

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