Das bin ich. Ein Outing.

Seit ich denken kann kaue ich an meinen Fingernägeln. Als Kind wird es einem gerne als schlechte Angewohnheit vorgeworfen, man wird ermahnt, es sein zu lassen, als wenn man es aus Langeweile oder zum Zeitvertreib täte.

Lange habe ich mir auch keine Gedanken gemacht, warum oder wann ich Fingernägel kaue. Erst seit ich erwachsen bin ist mir klar, dass es ein Ventil zum Stressabbau ist. Und zwar eines, das alles andere als hübsch ist.

Meist passiert es abends vor dem Fernseher. Der Tag ist irgendwie geschafft und in meinem Kopf laufen die tausend Dinge ab, die ich noch erledigen muss, die ich gerne machen würde, Situationen, die vielleicht doof abgelaufen sind, Sorgen, wie es weitergeht. Da reichen schon ein paar Minuten und meine Nägel sehen aus, als wenn ein Schwarm Heuschrecken darüber hergefallen wäre. Nur dass die sich lieber was nahrhafteres suchen würden…

Mein bevorstehender Wiedereinstieg in der Arbeit, verbunden mit der dann notwendigen Betreuung der Schnecke durch meine Mutter, der nahende Winter mit dem möglicherweise nahenden Schnee, die Erkältungssaison, die bereits eröffnet ist, der Geburtstagsmarathon, der vor uns liegt, die ganze Hausarbeit, die ich in den letzten Wochen nicht auf die Reihe bekommen habe, die Mamaphase der Schnecke, die zig Schlafunterbrechungen nachts – ratz fatz war das das Ergebnis:

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Eigentlich kriege ich es auch noch schlimmer hin, aber auch so stört es mich ungemein. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zum letzten Mal meine Fingernägel geschnitten habe. Bzw. gefeilt ohne dass es nur „Reparaturarbeiten“ waren, damit ich nicht überall hängen bleibe mit den ausgefransten Nägeln.

In meinem Badschrank drängen sich Nagellackfläschchen, dicht an dicht. So gerne hätte ich schöne Nägel, die man nicht verstecken muss. Vielleicht starte ich wiedermal einen Versuch, mich durchs Lackieren vom Knabbern abzuhalten. Meist klappt das für eine Weile auch ganz gut. Dann kommt der „Jojo-Effekt“. Meine persönliche „Diät“, an der ich bisher immer gescheitert bin.

9 Gedanken zu „Das bin ich. Ein Outing.

  1. Kiki

    Ich habe das früher auch mal gemacht und inzwischen den Absprung geschafft. Nur wenn die Nägel zu lang werden werde ich noch alle paar Monate rückfällig.
    Hast du schon mal bitteren Nagellack (farblos) ausprobiert? Ich hatte das zwischenzeitlich mal. Gibt es in der Apotheke, Name fällt mir auf Anhieb gerade nicht ein .

    Antwort
      1. Kiki

        Mal mehr mal weniger, ich habe mich immer nach etwas Zeit dran gewöhnt und irgendwann hat mich der bittere Geschmack nicht mehr abgehalten von unbewussten kauen und nicht mehr hochgeschreckt. Wenn man aber frisch wieder mit Nagellack anfängt in Kombination mit standhaft bleiben funktioniert es super zum wachrütteln und erinnern

  2. blumenpost

    Uuuh jetzt hab ich mich aber grad erwischt gefühlt als ich deine ersten Zeilen las und gleichzeitig genau das gleiche tat.
    Bei mir hilft nur lackieren. Damit schaffe ich es immer mal wieder eine Zeit lang schöne Nägel zu haben. Auch ganz kurze Nägel sehen halbwegs in Form gefeilt und dunkel lackiert nämlich schick aus und dann wachsen sie schnell wenn man nicht dran geht. So entstand vor einem Jahr meine Liebe zu Nagellacken.
    Ich versuche bei den Kindern übrigens nichts dazu zu sagen wenn sie die Finger in den Mund oder in die Nase nehmen, weil ich es überhaupt nicht hilfreich finde da auch noch Schuldgefühle aufzubauen.

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    1. Schokolane Autor

      :-) Ertappen wollte ich keinen… ;-)
      Vielleicht raffe ich mich demnächst doch mal auf und starte wieder mal eine „Lackierphase“. So kann es jedenfalls nicht weitergehen.
      Ich ermahne meine Mädels übrigens auch nicht bei solchen Ticks. Das hilft nicht, sondern macht es nur noch schlimmer.

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  3. Frau Mümmel

    Vielleicht wären Kunstnägel eine Zeit lang was, bis du davon „los“ bist? ich meine aber nicht die billigen Aufklebdinger, die nach einem Tag von alleine abfallen, sondern Gelnägel. Da knabbert es sich nicht besonders gut dran. ;-) und die könntest du ja zusätzlich noch mit diesem bitteren Lack bepinseln, falls du doch dran knabberst.

    Ich hab als Kind auch doll an den Nägeln geknabbert, heute gar nicht mehr. Mich konnte auch der bittere Lack nicht auf Dauer abhalten. Mein Durchbruch kam an Karneval als ich mir die Nägel schwarz lackierte und wollte, dass es länger als 2 Stunden hübsch aussieht. Und plötzlich, tat ich es einfach nicht mehr. (Ich verschweige jetzt einfach, dass Nagellack bei mir nie länger als 1-2 Tage schön aussieht, aber das liegt dann am Nagellack!)

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    1. Schokolane Autor

      Über Gelnägel habe ich tatsächlich auch schon mal nachgedacht. Aber eigentlich ist es nicht so mein Ding und wäre mir momentan auch zu zeitintensiv, da ich ja jedes Mal nen Babysitter bräuchte. Bin schon froh, wenn ich es drei Mal im Jahr zum Friseur schaffe… Aber trotzdem danke für deine Antwort! Vielleicht reiße ich mich die Tage mal zusammen und fange auch wieder an, sie zu lackieren…

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  4. kraeuterhexlein

    Ich oute mich ebenfalls als Nagelkauer :-/ Nägel schneiden kenne ich ebenfalls kaum. Ich bin mir aber nicht sicher, ob Entzugsmaßnahmen wirklich helfen, wenn die Ursache bestehen bleibt. Wenn das Kauen ein Ventil ist und man dieses Ventil zudreht – sucht sich die Spannung dann ein anderes? Am Ende fange ich noch an mit Rauchen. Nee, da kaue ich doch lieber Nägel ;-)

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