Fast wie Urlaub

Wie auch in den letzten Jahren verbringen wir unseren Sommerurlaub an der italienischen Adria. Selber Ort, selbes Hotel, sogar das selbe Zimmer. Nur die äußeren Umstände ändern sich von Jahr zu Jahr. Jedes Jahr hoffe ich auf ein winziges bisschen „echten“ Urlaub, jedes Jahr ist aber dann doch wieder etwas „faul“. Ehemänner mit kaputten Beinen oder Kinder, die nicht ins Meer wollen zum Beispiel. Dieses Jahr ließ es sich gut an. Seit Wochen fragten beide Mädels, wann wir denn nun endlich ans Meer fahren würden, erzählten wo und wie sie schwimmen würden, was es zu essen gäbe und welche sonstigen „Freizeitangebote“ wir in Italien so nutzen würden. Clownshow anschauen, Zoo besuchen, Strandkiosk leerkaufen. Auch hier wiederholt sich das Programm jährlich, ist aber immer Teil der Vorfreude. Und die ist ja bekanntlich (scheinbar insbesondere wenn es um Urlaub mit Kindern geht…) die schönste…

Dann standen wir plötzlich morgens um 5 Uhr auf der Autobahn für zwei Stunden mitten in einer Vollsperrung. Natürlich steht man besser mitten in diesem Stau als vorne beteiligt zu sein – trotzdem: Es ließ sich nicht gut an. Zwei Tage vor dem Urlaub hatte die Maus noch mit Fieber gekämpft und gespuckt, da kamen mir schon erste Zweifel am Erfolg unseres Urlaubs. Und dann mitten auf der A8, nur eine Stunde von zu Hause entfernt – wäre das nicht der richtige Zeitpunkt gewesen, um alles zu canceln?

Natürlich fuhren wir weiter, als die Blechlawine sich in Gang setzte. Mein Mann sauste mit Bleifuss und einer einzigen Mini-Pause durch, so dass wir es gerade noch so zum Mittagessen ins Hotel schafften. Wir dachten, es sei geschafft, wir wären den Unwegsamkeiten entflohen und könnten nun in einen entspannten Urlaub mit zwei doch nicht mehr ganz so kleinen Kindern starten.

Nun ja. Dachten. Schnell zeigte sich, dass vor, während und nach jeder Stand-Session eines der Mädels einen Wutausbruch, Trotzanfall, Weinkrampf oder sonstwas bekam. Oder gern auch mal beide gleichzeitig. Meist ausgelöst durch Belanglosigkeiten – zumindest aus Elternsicht.

Aber zurück zur Gegenwart. Pünktlich zur Halbzeit des Urlaubs fiebert die Schnecke und spuckt sich die Seele aus dem Leib. Damit ist der Zenit meiner Erholung wohl erreicht und ich beginne, auf den Tag unserer Abreise hinzufiebern. Und spinne im Stillen ein bisschen herum, ob es nicht möglich wäre, nächstes Jahr anlässlich unseres 10-jährigen Hochzeitstages einen kleinen „echten“ Urlaub einzulegen. Nur mein Mann und ich, nur ein paar kleine Tage. Oder sind sie Kinder bis dahin vielleicht doch alt genug für Urlaub…?

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