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Eine beste Freundin für die Maus

Ich habe es im Halbjahresbericht schon erwähnt: Die Maus hat endlich eine Freundin gefunden! Und zwar nicht nur eine, mit der sie gut klarkommt. Eine „beste Freundin“. So bezeichnen die beiden sich jedenfalls gegenseitig.

Das Ganze hat sich seit ihrem 5. Geburtstag langsam entwickelt und ging so weit, dass ihre Freundin – ich nenne sie mal Bibi – wirklich jeden Morgen an der Kindergartentür auf sie gewartet hat. Dadurch ging die Maus plötzlich richtig gerne in den Kindergarten – hurra! Auch „private“ Treffen daheim gab es immer wieder mal, sogar direkt zum Mittagessen. Diese liefen dann zwar nicht komplett ohne „Moderation“ der anwesenden Eltern, aber nach einem ganzen Vormittag zusammen im Kindergarten können einem gegen Abend auch irgendwann die Ideen ausgehen, das ist ja berechtigt. Wenn ich bedenke, wie schwer sie sich immer getan hat mit anderen Kindern, lässt das mein Mutterherz vor Freude hüpfen!

Die beiden spielen am liebsten „Bibi und Tina“. Die Freundin ist Bibi, die Maus Tina. Freundlicherweise darf Tina ihrem Zusammenspiel auch hexen, sonst wäre es ungerecht. 🙂 Den Rest der Zeit spielen sie Schlümpfe, Arzt oder Schatzsuche. Und ganz neu „Superhelden“.

Aber: Eigentlich müsste ich diesen Artikel in der Vergangenheitsform schreiben, denn mit unserer Entscheidung, die Maus nicht als „Kann-Kind“ einschulen zu lassen, reißen wir diese Freundschaft entzwei. (Zu unseren Beweggründen werde ich einen separaten Blogbeitrag verfassen.) Ich wünschte, die Freundschaft könnte erhalten bleiben. Aber auch wenn man gelegentliche Treffen organisieren wird – es wird doch anders sein. Man sieht sich nicht täglich und „Bibi“ wird auch in der Schule neue Freundschaften knüpfen.

Bleibt mein kleines Kindergartenkind, das morgens plötzlich nicht mehr am Eingang freudestrahlend empfangen wird. Das eigentlich seit der Einschulung gestern keine einzige Freundin oder wenigstens Bezugsperson im Kindergarten mehr hat, denn sie hatten sich zu den „Großen“ hin orientiert und die sind nun alle weg.

Was hatten wir Angst vor diesem Tag! Die Maus und ich fast noch mehr. Ich bat die Erzieherinnen, ein Auge auf sie zu werfen. Stellte mir Sturzbäche an Tränen vor beim Abgeben am Morgen. Aber: Zu unserer großen Verwunderung ergaben sich sowohl vorgestern als auch gestern nette Aktionen, sie fand Spielpartner und war beim Abholen gut gelaunt. So drücken wir nun also alle verfügbaren Daumen, dass das so bleibt, dass sie unter den „neuen Großen“ Anschluss findet und es schafft, über den Verlust wegzukommen. In 3 Wochen beginnt dann die Eingewöhnung der Schnecke im Kindergarten – spätestens dann hat sie wieder eine kleine Freundin vor Ort. 🙂

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5,5 Jahre Maus

Wieder ist ein halbes Jahr vorbei. Ein halbes Jahr, in dem sich einiges getan hat, in dem wir aber auch wichtige, schwere Entscheidungen treffen mussten.

Die schönste Entwicklung ist auf jeden Fall, dass die Maus im letzten Halbjahr eine „beste Freundin“ gefunden hat. Sie sind im Kindergarten unzertrennlich und es ist toll anzusehen, wie die beiden miteinander umgehen. Wer hätte das gedacht, als ich mir vor zwei Jahren zu diesem Thema noch so viele Sorgen gemacht habe…
Trotzdem wird dieses Glück bald auf eine harte Probe gestellt, denn zu Beginn des Jahres mussten wir eine schwere Entscheidung treffen: Wird die Maus als „Kann-Kind“ eingeschult oder nicht? Die Freundin muss auf jeden Fall zur Schule. Wir haben uns nach langem Hin und Her aber dagegen entschieden und so werden wir sehen müssen, wie alle Beteiligten mit der Situation klarkommen.
Im Übrigen war das letzte halbe Jahr stark von Schlümpfen geprägt. Falls sich jemand fragt, wo „Schlumpfhausen“ liegt – es ist mittlerweile in unserem Haus. 🙂 Aber durch die Freundin der Maus sind auch „Bibi und Tina“ bei uns eingezogen, so dass hier fleißig alles verhext wird, was nicht niet- und nagelfest ist.

Die fürs Auge schönste Entwicklung ist, dass die Maus begonnen hat, „frei“ zu malen. Bisher hatte sie immer eine Zeitlang ein bestimmtes Motiv, das sie täglich, immer wieder malte. Erst waren es ihre berühmten „Schattenmäuse“, dann Igel und später „Fussel“. Nun malt sie Raumschiffe, Schlümpfe, Roboter – was ihr gerade in den Sinn kommt oder was gerade Thema ist. Sie ist dabei sehr detailverliebt bei der Formgebung – das Ausmalen ist ihr nicht so wichtig, da wird dann schonmal ein wenig „geschludert“. 🙂
Außerdem hat sie Lego ein bisschen für sich entdeckt. Sie schafft es u.a., ein 155-teiliges Raumschiff alleine mit Hilfe der Anleitung zusammenzubauen!

Im Alltag sehr geschickt ist die Tatsache, dass die Maus seit Neustem Groß- und Kleinbuchstaben lesen kann. Großbuchstaben gingen ja schon länger, aber nun liest sie schon ganze Textstellen vor, Wahnsinn. Mein großes Mäuschen.

Motorisch geht es langsam voran, aber immerhin vorwärts. Sie traut sich nun, ca. 50 cm herunterzuspringen, wenn man sie an den Händen hält. Und im Winterurlaub hat sie sich tatsächlich zu 4 Tagen Bambini-Skikurs überreden lassen. Den Schlümpfen sei Dank! (Es gab für jeden absolvierten Tag ein kleines legoähnliches Schlumpfgeschenk…) Und sie hat es zwar vorsichtig, aber dennoch sehr toll gemeistert.

Ach ja – und dann war da noch die erste Zeckenimpfung, bei der sie sooo tapfer war, dass ich es kaum glauben konnte.

Nun geht es auf die 6 zu!

Die Maus ist 5 1/2 Jahre alt. Sie ist 115 cm groß, wiegt 20 kg und hat einen Kopfumfang von 51,5 cm.

Ihr wollt ein Zeichen? Ihr kriegt ein Zeichen!

In meinem Ausblick aufs Neue Jahr habe ich bereits erwähnt, dass die Frage auf uns zukommen würde, ob wir die Maus vorzeitig – also als „Kann-Kind“ – einschulen lassen wollen. 

Wir wohnen ja in Baden-Württemberg, wo alle Kinder, die bis zum 30.9. geboren sind, schulpflichtig werden. Die Maus ist also gut einen Monat über diesen Termin drüber. Manche werden an dieser Stelle die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und rufen: „Lasst dem Kind seine Kindheit!“ Aber so einfach ist das nicht. 

Seit jeher ist die Maus im kognitiven Bereich Gleichaltrigen weit voraus. Und gleichzeitig im motorischen sowie sozialen Bereich Gleichaltrigen weit hintenher. Sie ist also leider kein „Standardkind“, das ohne Probleme „eingetütet“ werden kann. Ihre Kindergartenfreundinnen sind ausschließlich „Große“, die im Sommer gehen. Und genau das bricht mir das Herz. 

Wir haben Angst, dass sie nach den Sommerferien nicht mehr in den Kindergarten will. Schon jetzt sind Tage, an denen keine ihrer beiden Freundinnen da ist, schwierig. Wie mag es dann bloß werden, wenn sie gänzlich weg sind? Dazu kommt, dass die Maus auch im Kindergarten die letzten 2 Jahre mit den Älteren mitgelaufen ist – sie passt einfach nicht nur von ihrer Körpergröße her, sondern durchaus auch von den Interessen viel besser zu den Großen.

Ich kürze das Ganze nun aber ab. Samstag war in unserer Schule Tag der offenen Tür. Ich hoffte so sehr, auf ein „Zeichen“, auf eine Entscheidungshilfe. Und was soll ich sagen? Es regnete Zeichen! 
Während des Begrüßungsprogramms stand die Maus plötzlich vor mir und streckte sich mir entgegen: „Arm! Mama Arm!“ Auch in den Klassenzimmern, in denen es Mitmachangebote gab, hielt sich ihr Interesse in Grenzen. Sie malte und bastelte pro forma ein bisschen, Begeisterung sieht aber anders aus. Zudem trafen wir zwei ehemalige Kindergartenmütter, die uns von ihren Erfahrungen mit ihren Kann-Kindern berichteten. Und wir bekamen ein paar interessante Informationen über die Grundschulförderklasse. 

Abends diskutierten mein Mann und ich dann unsere Sichtweisen und Erkenntnisse. Obwohl wir beide ursprünglich eher zur früheren Einschulung tendiert hatten, waren wir uns einig: lieber nicht. Wir fragten heute noch die Maus, ob unsere Entscheidung ihrem Sinne sei und sie schien durchaus froh, fast schon erleichtert zu sein.

Nun müssen wir alle Bremsen wieder anziehen, im Kindergarten, in der Schule. Und hoffen, dass der Übergang ins neue Kindergartenjahr nicht allzu hart wird. Vielleicht bleibt ja noch jemand anderes „übrig“, mit dem sie sich gut versteht…