Schlagwort-Archive: Gefühle

Eine beste Freundin für die Maus

Ich habe es im Halbjahresbericht schon erwähnt: Die Maus hat endlich eine Freundin gefunden! Und zwar nicht nur eine, mit der sie gut klarkommt. Eine „beste Freundin“. So bezeichnen die beiden sich jedenfalls gegenseitig.

Das Ganze hat sich seit ihrem 5. Geburtstag langsam entwickelt und ging so weit, dass ihre Freundin – ich nenne sie mal Bibi – wirklich jeden Morgen an der Kindergartentür auf sie gewartet hat. Dadurch ging die Maus plötzlich richtig gerne in den Kindergarten – hurra! Auch „private“ Treffen daheim gab es immer wieder mal, sogar direkt zum Mittagessen. Diese liefen dann zwar nicht komplett ohne „Moderation“ der anwesenden Eltern, aber nach einem ganzen Vormittag zusammen im Kindergarten können einem gegen Abend auch irgendwann die Ideen ausgehen, das ist ja berechtigt. Wenn ich bedenke, wie schwer sie sich immer getan hat mit anderen Kindern, lässt das mein Mutterherz vor Freude hüpfen!

Die beiden spielen am liebsten „Bibi und Tina“. Die Freundin ist Bibi, die Maus Tina. Freundlicherweise darf Tina ihrem Zusammenspiel auch hexen, sonst wäre es ungerecht. 🙂 Den Rest der Zeit spielen sie Schlümpfe, Arzt oder Schatzsuche. Und ganz neu „Superhelden“.

Aber: Eigentlich müsste ich diesen Artikel in der Vergangenheitsform schreiben, denn mit unserer Entscheidung, die Maus nicht als „Kann-Kind“ einschulen zu lassen, reißen wir diese Freundschaft entzwei. (Zu unseren Beweggründen werde ich einen separaten Blogbeitrag verfassen.) Ich wünschte, die Freundschaft könnte erhalten bleiben. Aber auch wenn man gelegentliche Treffen organisieren wird – es wird doch anders sein. Man sieht sich nicht täglich und „Bibi“ wird auch in der Schule neue Freundschaften knüpfen.

Bleibt mein kleines Kindergartenkind, das morgens plötzlich nicht mehr am Eingang freudestrahlend empfangen wird. Das eigentlich seit der Einschulung gestern keine einzige Freundin oder wenigstens Bezugsperson im Kindergarten mehr hat, denn sie hatten sich zu den „Großen“ hin orientiert und die sind nun alle weg.

Was hatten wir Angst vor diesem Tag! Die Maus und ich fast noch mehr. Ich bat die Erzieherinnen, ein Auge auf sie zu werfen. Stellte mir Sturzbäche an Tränen vor beim Abgeben am Morgen. Aber: Zu unserer großen Verwunderung ergaben sich sowohl vorgestern als auch gestern nette Aktionen, sie fand Spielpartner und war beim Abholen gut gelaunt. So drücken wir nun also alle verfügbaren Daumen, dass das so bleibt, dass sie unter den „neuen Großen“ Anschluss findet und es schafft, über den Verlust wegzukommen. In 3 Wochen beginnt dann die Eingewöhnung der Schnecke im Kindergarten – spätestens dann hat sie wieder eine kleine Freundin vor Ort. 🙂

Advertisements

Fortsetzung folgt?

Über ein halbes Jahr lang schlummerte mein Blog nun vor sich hin. Immer wieder kam mir in den Sinn, dass längst ein Update fällig wäre. Wie oft formulierte ich im Dunkeln Beiträge in meinen Gedanken. Aber zum Aufschreiben kam ich dann doch nicht. Aus Gründen. Familie, Arbeit, Haushalt, lieber über das Leben anderer lesen als über das eigene schreiben, und und und. Jeden Tag etwas anderes. Nun nähern sich jedoch die Geburtstage von Maus und Schnecke und ich sehe, dass ich die vergangenen Monate nur noch als Notizen dokumentiert habe, was mich etwas ärgert. Ein paar Minuten ab und zu sollten doch reichen, hier alles aktuell zu halten…

Ich will es nochmal versuchen. Ohne Garantie, dass es klappt. Weil ich diese Texte später gerne als Erinnerung hätte. Und weil ich Fortsetzungsgeschichten liebe… 😉

Edit:
Ich habe es geschafft, die fehlenden Monatsberichte und  den aktuellen Zahnkalender zu ergänzen. Damit ich sie später auch selbst wiederfinde, habe ich die Blogbeiträge zurückdatiert…

Schneckenzahn Nr. 20
2 1/4 Jahre Schnecke
2,5 Jahre Schnecke
2 3/4 Jahre Schnecke
5,5 Jahre Maus

Ihr wollt ein Zeichen? Ihr kriegt ein Zeichen!

In meinem Ausblick aufs Neue Jahr habe ich bereits erwähnt, dass die Frage auf uns zukommen würde, ob wir die Maus vorzeitig – also als „Kann-Kind“ – einschulen lassen wollen. 

Wir wohnen ja in Baden-Württemberg, wo alle Kinder, die bis zum 30.9. geboren sind, schulpflichtig werden. Die Maus ist also gut einen Monat über diesen Termin drüber. Manche werden an dieser Stelle die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und rufen: „Lasst dem Kind seine Kindheit!“ Aber so einfach ist das nicht. 

Seit jeher ist die Maus im kognitiven Bereich Gleichaltrigen weit voraus. Und gleichzeitig im motorischen sowie sozialen Bereich Gleichaltrigen weit hintenher. Sie ist also leider kein „Standardkind“, das ohne Probleme „eingetütet“ werden kann. Ihre Kindergartenfreundinnen sind ausschließlich „Große“, die im Sommer gehen. Und genau das bricht mir das Herz. 

Wir haben Angst, dass sie nach den Sommerferien nicht mehr in den Kindergarten will. Schon jetzt sind Tage, an denen keine ihrer beiden Freundinnen da ist, schwierig. Wie mag es dann bloß werden, wenn sie gänzlich weg sind? Dazu kommt, dass die Maus auch im Kindergarten die letzten 2 Jahre mit den Älteren mitgelaufen ist – sie passt einfach nicht nur von ihrer Körpergröße her, sondern durchaus auch von den Interessen viel besser zu den Großen.

Ich kürze das Ganze nun aber ab. Samstag war in unserer Schule Tag der offenen Tür. Ich hoffte so sehr, auf ein „Zeichen“, auf eine Entscheidungshilfe. Und was soll ich sagen? Es regnete Zeichen! 
Während des Begrüßungsprogramms stand die Maus plötzlich vor mir und streckte sich mir entgegen: „Arm! Mama Arm!“ Auch in den Klassenzimmern, in denen es Mitmachangebote gab, hielt sich ihr Interesse in Grenzen. Sie malte und bastelte pro forma ein bisschen, Begeisterung sieht aber anders aus. Zudem trafen wir zwei ehemalige Kindergartenmütter, die uns von ihren Erfahrungen mit ihren Kann-Kindern berichteten. Und wir bekamen ein paar interessante Informationen über die Grundschulförderklasse. 

Abends diskutierten mein Mann und ich dann unsere Sichtweisen und Erkenntnisse. Obwohl wir beide ursprünglich eher zur früheren Einschulung tendiert hatten, waren wir uns einig: lieber nicht. Wir fragten heute noch die Maus, ob unsere Entscheidung ihrem Sinne sei und sie schien durchaus froh, fast schon erleichtert zu sein.

Nun müssen wir alle Bremsen wieder anziehen, im Kindergarten, in der Schule. Und hoffen, dass der Übergang ins neue Kindergartenjahr nicht allzu hart wird. Vielleicht bleibt ja noch jemand anderes „übrig“, mit dem sie sich gut versteht…

Zu zweit 

Wir haben einen wundervollen kinderfreien Abend hinter uns. Zuerst waren wir im Thermalbad, danach ganz toll essen – mein Weihnachtsgeschenk. Den Heimweg tapsten wir durch unberührten Schnee, wunderschön. Nur noch zu toppen vom Ausschlafen heute Morgen – um 10:30 Uhr wachten wir ziemlich ausgeruht auf (früher hätten wir sicher noch zwei Stunden länger geschlafen, hihi…), kochten ein leckeres Gericht, das den Kindern nicht geschmeckt hätte und lagen danach gemütlich auf dem Sofa rum. Hach.

Als wir die Kinder dann wieder abholten, wurde ich ganz traurig. Es war der letzte „Paartag“ auf unbestimmte Zeit, da meine Mutter in einer Woche operiert wird und danach etwa 3 Monate nicht schwer heben darf. Natürlich bin ich nicht nur traurig deswegen, sondern sorge mich auch, ob die OP gut verläuft. Wenn es doch schon Mai wäre. Oder Juni. Oder…

Groß und Klein – Teil 2

Vor einem guten Jahr verfasste ich diesen Artikel. Darin ging es um die Erkenntnis der Maus, dass sie langsam groß wird.

Vor ein paar Tagen ist das Thema wieder aufgekeimt, diesmal mit einem weiteren Teilaspekt – nämlich der Erkenntnis, dass das Leben der Maus, die Beachtung die sie bekommt, anders ist, seit die Schnecke geboren wurde und auch nicht mehr zum „Urzustand“ zurückkehren wird. 

Nachdem wir auf ihren Wunsch hin Urlaubsfotos von vor der Geburt der Schnecke angeschaut hatten, wurde sie sehr nachdenklich und meinte, dass sie gerne mehr Zeit mit uns (Eltern) verbringen würde. Und dass es früher schöner war. Vermutlich weil die Fotos so nach heile Mutter-Vater-Kind-Welt aussahen. Klar. Man fotografiert ja keine Streitsituationen oder Geheul.

Gekrönt wurde das ganze von einem Dialog, der auf der Toilette stattfand. Die Maus fragte, ob sie immer bei uns wohnen darf, auch wenn sie erwachsen ist. „Klar, so lange du willst!“ entgegnete ich. „Auch wenn ich Kinder habe? – Ach nein, ich will nur ein Kind haben, sonst ist das Kind auch immer so traurig wir ich.“

Schnüff. Das klang schon ziemlich unglücklich. Gäbe es nicht die vielen Momente, in denen Maus und Schnecke sich sehr innig ihre Liebe demonstrieren, würde es mir das herz brechen. 

Die Maus steckt vermutlich gerade wieder in einem „Schub“. Sie hat auch um Weihnachten herum mit einem „Tick“ begonnen, immer durch die Nase das Geräusch zu machen, als wenn man loslacht. Erst gelegentlich, kurz nach Silvester ständig. Mein Mann begann sich große Sorgen zu machen und ermahnte sie ständig, aufzuhören. Bis ich ihm erzählte, dass ich als Kind auch diverse Ticks durchlebt habe – z.B. Augenzwinkern – und das Schlimmste daran war, wenn meine Eltern mich ständig drauf aufmerksam machten, weil ich es wirklich nicht unterbinden konnte. Google sagt, die Neigung zu“Ticks“ ist vererbbar und zeigt sich gerne ab dem Vorschulalter. Dann wundert mich nichts. Wir hörten also auf, es zu thematisieren und wenige Tage später war es verschwunden. Aber es wird sicher nicht der letzte Tick gewesen sein…

Was wirklich zählt

Liebe ist das einzige, das wirklich zählt. Liebe gegenüber dem Partner, den Kindern, der Familie, den Freunden, Bekannten, Nachbarn und der Verkäuferin beim Bäcker. Ein Lächeln, ein freundliches Wort, ein Dankeschön. Denn schon morgen könnte alles vorbei sein und die Gelegenheit dazu wäre vergeben.

RIP K.W. – danke für alles! Ich hoffe, da oben gibt es WLAN, damit Sie es noch lesen können…

Geschenke 

Eigentlich fühle ich mich heute wie 100. Ich kann meinen linken Arm kaum bewegen (Vielleicht zu viel im Durchzug gesessen? Vielleicht zu viel die Schnecke geschleppt?), mein Magen oder was auch immer in der Gegend drückt und Kopfschmerzen habe ich auch ganz dezent. Aber nein – 100 bin ich nicht geworden, eigentlich erst 33.

Das schönste Geschenk machte mir die Maus, denn sie dachte von ganz alleine daran, dass ich Geburtstag habe. Ich weckte sie wie jeden Morgen und nach ein paar Minuten, als sie richtig wach war, schaute sie mich an, drückte mich ganz fest und sagte „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!“ ♡

Mir schossen natürlich sofort Tränen der Rührung in die Augen. Mein großes Mädchen! Nach dem Frühstück wurde ich dann noch besungen und mit selbstgemalten Bildern beschenkt – was für ein schöner Start in den Tag!

Der Schrei

Gestern holte ich wie immer zusammen mit der Maus die Schnecke von der Krippe ab. Als ich gerade die Kinder im Auto anschnallte, hörte ich plötzlich jemanden laut einen Namen rufen. Zunächst nichts ungewöhnliches in einer Großstadt. Irgendwie kam mir dieser Schrei aber komisch vor und ich hielt Ausschau nach der Herkunft. Da kam eine Frau strammen Schrittes aus einer Seitenstraße hervor. In der Hand trug sie einen Kinderrucksack. Nochmals rief sie, diesmal hörte ich deutlich die Panik in ihrer Stimme. Es war der Name ihres Kindes, den sie nun immer wieder schrie – jedes Mal lauter.

Ich stand wie angewurzelt an meinem Auto. Ein Blick um mich herum zeigte ihr, dass das Kind hier nirgends ist. In meinem Kopf gingen tausend Dinge um. Was man alles in der Presse liest über das Verschwinden von Kindern. Dass das auch ich sein könnte, die nach Maus oder Schnecke sucht. Ich wollte helfen – aber wie? Immernoch wie gelähmt von der Situation stieg ich ins Auto ein und parkte aus. Ich erklärte der Maus, was los war und bat sie, Ausschau zu halten nach einem Kind ohne Begleitung.

An der ersten Abbiegung entdeckte ich plötzlich im Augenwinkel hinter einer Litfaßsäule einen vielleicht 4jährigen Jungen auf einem Fahrrad. Ich parkte das Auto am Straßenrand und rannte zu ihm hinüber. Er stand da ganz ruhig, das Vorderrand an die Säule gestemmt, und wartete. Ich versuchte, ihn anzusprechen, aber – eigentlich ja richtigerweise – gab er der „fremden Frau“ keine Antwort. Ich wusste auch seinen Namen nicht mehr, da er mir nicht geläufig und nicht deutsch war. Ebendeshalb wusste ich zunächst gar nicht, ob er mich überhaupt versteht. Ich versuchte ihn zu fragen, ob er gerade mit seiner Mama aus dem Kindergarten gekommen sei, ob er wüsste, wo seine Mama jetzt sei. Ich wollte ja nicht das falsche Kind „verhaften“… Plötzlich sagte er, er sei vorausgefahren und seine Mama wäre ganz hinten. Da war mir alles klar. Wahrscheinlich stand er da tatsächlich ganz „unschuldig“, wartete darauf, dass seine Mutter ihn wieder einholen würde und wusste nicht, dass sie nicht kommen würde, weil er den falschen Weg genommen hatte. Ich erklärte ihm, dass seine Mutter nach ihm rufen würde und bot ihm an, sie mit mir gemeinsam zu suchen. Natürlich stand er weiter wie angewurzelt da und er hatte doch so Recht, nicht mit mir mitzugehen. Dann sagte ich: „Ich suche jetzt deine Mama. Du bleibst solange hier stehen, ok?“ Er nickte eifrig. Ich glaubte ihm.

Ich rannte die Straße in Richtung des Weges, wo ich seine Mutter zuletzt gesehen hatte. Zum Glück kam mir da auch schon ein anderer Junge, ein paar Jahre älter, entgegengerannt. Ich rief ihm zu, ob das da vorne sein Bruder sei, er rief mir ein „Nein!“ entgegen. Um aber dann doch zu dem kleinen Jungen hinzusprinten. Wahrscheinlich war er einfach ein Verwandter oder Freund, aber eben nicht der Bruder. Er sprach mit ihm, bis ich wieder zurückgehetzt war. Dann bat ich den großen Jungen, die Mutter des Kleinen zu suchen und blieb bei der Litfaßsäule stehen. Eine weitere, etwas ältere Passantin, war dazugekommen und stand dabei. Als sie die Situation erfasste, tadelte sie, die Mutter müsse doch auf ihr Kind besser aufpassen! Ja klar. Müsste sie. Aber in der Situation ist das egal. Ich nickte, sagte aber kein Wort.

Der große Junge kam nicht wieder. Ich wurde langsam nervös. Maus und Schnecke saßen immernoch im Auto. Ich winkte ihnen ab und an, aber ich wusste, dass sie sich bald beschweren würden. Plötzlich entdeckte ich in der Ferne eine Frau, hörte wieder die Rufe. Ich überquerte die Fahrbahn, rannte ihr entgegen und rief: „Er ist hier!“

Sie kam angerannt, mit Kinderwagen und Baby drin – den hatte sie wohl zuvor irgendwo stehen lassen. „Danke! Danke!“ sagte sie mehrmals zu mir. Ich setzte mich ins Auto, startete den Motor. Als ich losfuhr, hörte ich ein lautes Schluchzen durch das geöffnete Fenster. Die Mutter saß auf dem Grünstreifen und weinte bittere Tränen der Erleichterung. Eine ihr bekannte Frau war mittlerweile angekommen und tröstete sie, ich konnte nun also wirklich wegfahren.

Auch heute bekomme ich eine Gänsehaut, wenn ich an die Geschichte zurückdenke. Gott sei Dank haben wir den Jungen gefunden. Es kann wirklich jedem passieren, es geht so schnell. Ich bete, dass ich nie in eine solche Situation komme!

Mama ist da. Und da. Und da!

Seit die Schnecke erfolgreich in die Krippe geht, haben wir einen neuen Tagesrhythmus. Der sieht im Normalfall so aus, dass ich morgens nach dem Frühstück die Maus zu Fuß in den Kindergarten bringe, dann von zu Hause arbeite und der Mann die Schnecke zur Krippe fährt und dann weiter zur Arbeit. Mittags gegen 12:45 Uhr hole ich erst die Maus ab, denn der Kindergarten schließt um 13:30 Uhr, dann fahren wir zur Schnecke, die sowieso bis kurz vor eins Mittagsschlaf macht. Um 13:30 Uhr sind wir meist zu Hause und dann beginnt das „flexible Tagesprogramm“. Kein Mittagsschlaf der Schnecke mehr, in dem ich Exklusivzeit für die Maus habe. Bis mein Mann abends heimkommt, sind es rund 5 Stunden, in denen ich beide Kinder gleichzeitig bespaßen muss.

Und mit „bespaßen“ meine ich nicht, daneben sitzen und den beiden beim Spielen zusehen. Der Anteil dessen liegt momentan vielleicht bei 10 Minuten verteilt über den Tag.
Die Kleine weint, sobald ich sie vom Arm absetze oder spätestens, wenn ich kurz aus dem Zimmer gehe. Wenn sie nicht weint, zerstört sie etwas. Bücher, Spielzeug, egal was. Knibbelt Tapeten von der Wand, steigt auf Möbel hoch, räumt Schränke aus. Versucht, die Maus zu beißen. Ich kann sie fast keine Sekunde aus den Augen lassen.
Die Große möchte am liebsten den ganzen Tag Rollenspiele mit mir spielen. Sie kann nicht einfach mal still dasitzen und etwas angucken, malen oder so. Nein, seit sie sprechen kann (und das war gefühlt ab Geburt), spricht sie immer während sie etwas tut. Und erwartet im Normalfall auch, dass man ihr zuhört.

Also was tun? Raus aus der Bude! Am besten auf den Spielplatz. Eine Szene von neulich:
Wir erreichen den Lieblingsspielplatz der Maus. Die Schnecke verkündet, sie möchte als erstes Sandeln. Wir begeben uns zum Sandkasten, setzen uns hin. Noch während ich die Tüte mit dem Zubehör auskippe, steht die Schnecke auf und stapft ans andere Ende des Spielplatzes, wo drei Holz-Tipis stehen. Alleine kann ich sie dort nicht lassen, da in den Zelten immer wirre Stockkonstruktionen von anderen Kindern drin sind und ich Angst habe, dass sie sich ein Auge aussticht. Also saß die Maus eine Weile alleine im Sand und spielte. Dann kam sie an und wollte Schaukeln. In der Babyschaukel, da sie gern freihändig schaukeln möchte, das gehört dort zu ihrer „Geschichte“ dazu. Ich setzte sie also rein, was die Schnecke natürlich prompt mit dem dringenden Bedürfnis, auch reinzusitzen, quittierte. Auf dem Arm wand sie sich wie ein Regenwurm, auf dem Boden abgesetzt wollte sie immer in die Schwungbahn der Schaukel rennen. Beide Optionen suboptimal. Dann kam sie auf die Idee, dem Trampelpfad den Berg hinauf in den Wald hinein zu folgen. Auch hier konnte ich sie nicht alleine lassen. Die Maus folgte uns irgendwann, blieb jedoch auf halber Strecke „stecken“, weil sie sich nicht weitertraute. Ich wollte ihr ein wenig helfen, was wiederum in Riesengeschrei ausartete, da die Schnecke auf gar keinen Fall zurück wollte. Und so weiter und so weiter.

Ich könnte tausende solcher Situationen schildern und sie zermürben mich zunehmend. In letzter Zeit reicht eine winzige Kleinigkeit und ich explodiere wie ein Vulkan. Ich hasse es, wenn ich so bin.

Gestern habe ich dann versucht, ein „klärendes Gespräch“ mit der Maus zu führen. Ich sehe es natürlich, dass sie oft zurückstecken muss und dann eben durch negative Handlungen um meine Aufmerksamkeit buhlt. Ich habe ihr mein Dilemma erklärt und ich denke, sie hat es auch verstanden. Und ich muss mich wieder besser in den Griff kriegen, denn mein Geschrei hilft keinem weiter.

Ein Anfang ist gemacht.

Eine Tasse Freiheit

Seit dem 1. März geht die Schnecke in die Krippe. Ihre Eingewöhnung übernahm – wie auch damals bei der Maus – meine Mutter. Das war auch gut so, denn die Bereitschaft der Schnecke, sich von mir zu trennen strebte zu dem Zeitpunkt gegen Null und mein bislang einzige Versuch, sie selbst hinzubringen, endete beinahe mit einem vorzeitigen Anruf aus der Krippe.

Aber entgegen aller unserer Erwartungen macht sich die Schnecke super in der Krippe. Sie erzählt täglich von der Erzieherin, den „Kinda“ oder dem „Beeeby“, das „weine“ und einen „Nulli“ bekam. Sie spielt mit den anderen, isst meistens gut mit und macht ohne zu Murren ihren Mittagsschlaf. Was muss ich daheim immer kämpfen, bis sie mittags ihre Augen schließt! Also alles prima. Ich warte innerlich aber irgendwie auf den „großen Schlag“ mit dem alles ganz übel wird… 😉

Ja. Seit Ostern ist die Eingewöhnung also quasi abgeschlossen. Zumindest was die Uhrzeiten anbelangt – ihre Bezugserzieherin ist momentan noch sehr wichtig für die Schnecke, daher war sie nach Ostern eine Woche wegen Urlaub selbiger zu Hause. Und diese Woche ging wegen Fieber erst Mittwoch los. Aber – ABER – heute ist DER Tag, an dem beide Kinder in der Betreuung sind und ich FREI habe!!! (Entschuldigt die vielen Großbuchstaben, aber sie sprudeln aus mir heraus!) Also packte ich mein Täschchen und brach auf in die Innenstadt, um eine Jacke für die Maus zu kaufen. Und Kaffee zu trinken, alleine, in der Sonne, in aller Ruhe mit Straßenmusik im Hintergrund.

image

Es läuft. Ich bin unheimlich glücklich. So darf es bleiben!

Bis aufs Blut

Es ist 20:45 Uhr. Ich bin heute gut in der Zeit für unsere Verhältnisse. Geduscht hab ich schon heute Morgen und die Vesperboxen konnte ich während dem Abendessen bestücken, daher keine weitere Verzögerungen nachdem die Kinder eingeschlafen sind. Und die Bude – die hab ich einfach mal so gelassen. Alles in eine Ecke, nein, in viele Ecken, und fertig mit Aufräumen, ich mag nicht mehr.

image

Ich sinke aufs Sofa. Heute war einer dieser Tage, die mich richtig auslaugen, die in letzter Zeit so häufig sind. Meine beiden Mädels verstehen, mich bis aufs Blut zu reizen.

Die Maus ist in einer Phase, die ich mir einfach nur wegwünsche. Ich dachte ja, in der schlimmsten Trotzphase befindet man sich hauptsächlich mit 2 oder 3 Jahren. Weit gefehlt. Die Maus testet auch mit ihren 4,5 Jahren aus, was geht. Sie meckert an allem herum, egal ob Essen oder Aktivitäten, ist zu jedem erstmal patzig, trödelt bis ich aus der Haut fahre und hat zu nichts Lust. Sie verhält sich wie ein Baby, ist zu bequem, sich selbst die Schuhe anzuziehen, geschweige denn selbige zuzumachen. Und wenn ich sie durch Drohungen wie „dann kommen wir eben zu spät“ oder „dann gehst du eben barfuß“ unter Druck setze, fängt sie an zu heulen wie ein Schlosshund und alles dauert noch länger. Sie nimmt mich momentan dermaßen in Anspruch, dass man meinen könnte, sie sei das kleinere Kind von beiden. Ich muss ständig mit ihr spielen, ihr vorlesen, sie zur Toilette begleiten und und und. Fast jede Nacht wacht sie wieder mindestens ein Mal auf und ruft nach uns.

Zumindest in der Nacht kann es die Schnecke mit der Maus sehr gut aufnehmen. Auch sie schläft nach wie vor furchtbar schlecht. Sie wacht gefühlte tausend Mal auf und will an die Brust. Oder auch nicht, dann ist es aber noch schlimmer, denn dann schreit sie sich in Rage und man kriegt sie kaum wieder zum Schlafen. Tagsüber kann sie sich über lange Zeit alleine beschäftigen – muss sie auch, wenn ich dauernd mit der Maus zugange bin. Blöd nur, dass ihre Beschäftigung meist darin liegt, Chaos zu stiften oder etwas zu zerreißen, zerquetschen, zerbrechen, zerstören. Wenn sie wütend wird, schmeißt sie sich im besten Fall auf den Boden und schreit aus voller Kehle oder schlägt ihren Kopf auf den Boden. Um daraufhin noch mehr zu schreien. Seit Kurzem beißt sie zudem wie ein abgerichteter Kampfhund, das finde ich furchtbar. Ich hoffe, sie tut das wegen den einschießenden Eckzähnen, die ihr gerade sehr zu schaffen machen und sie lässt das ganz bald wieder sein, denn das ist nicht nur schmerzhaft, sondern auch ziemlich gefährlich. Wenn sie sich dann mal nicht selbst zu beschäftigen weiß, schreit sie und will auf meinen Arm. Egal ob ich aufm Klo sitze, Essen herausrichte, putze. Was super entspannt ist mit ihren 10 + x kg und einem Geschrei das von der Dezibelzahl her einem startenden Düsenjet in nichts nachsteht.

Meist kann ich es kaum erwarten, dass es 19 Uhr wird. Dann trudelt mein Mann von der Arbeit ein, wir essen, schauen Sandmann und starten das Abendprogramm. Trödeln, Zähne putzen, trödeln, umziehen, trödeln, Geschichte hören, singen, Nachtfläschchen, stillen. Stille. Ich liebe diese Stille, wenn beide eingeschlafen sind. Ein Gebirge fällt von meinen Schultern ab und ich schaffe oft nicht mehr, als mich für die restlichen eineinhalb, zwei Stunden vor die Glotze zu legen und die Beine hochzulegen…

 

Müde.

Bei jedem Blinzeln muss ich mich zusammenreißen, nicht einzuschlafen. Ich bin so unglaublich müde, dass ich immer und überall nur noch ans Schlafen denken kann. Wenn jemand mit mir spricht, höre ich die Worte – sie kommen aber nicht in meinem Kopf an. Bei der Arbeit starre ich in den Computer und bekomme nichts gebacken. Jede Hausarbeit kostet mich Überwindung.

Die Schnecke bekommt gerade Eckzähne, wacht nachts dauernd auf und will tagsüber nur auf meinem Arm sein. Die Maus testet seit geraumer Zeit wieder Grenzen aus und bringt mich mit Vorliebe auf die Palme. Was auch gar nicht so schwer ist bei dem Schlafmangel… Auch mein Liebster kommt in den Genuss meiner schlechten Laune. Und der Blog… Hach. Es gäbe so viel zu schreiben, aber ich schaffe es nicht, etwas zu formulieren.

Ich sollte mal ein paar Tage lang abends mit den Kindern zusammen ins Bett gehen, dann hätte ich vielleicht ein, zwei Stunden mehr Schlaf. Aber am Abend kann ich mich nicht dazu aufraffen, meine einzigen Momente ohne quengelde Kinder für ein bisschen Schlaf aufzugeben.

Es wird irgendwann besser, ich weiß es ja. Bis dahin heißt es Abwarten und Kaffee trinken. Viel Kaffee.

image

Ein Tag im Ausnahmezustand

Bei uns steht diese Woche alles Kopf. Wegen dem anstehenden Urlaub. Alles waschen, packen, vorbereiten. Und dazwischen gefühlt tausend Termine. Arbeiten, Freizeit, Zusatzveranstaltungen, die zufällig und dummerweise genau auf diese Woche fallen. Und dann noch Maus und Mann, die kränkeln. Was will man mehr?

Gestern dachte ich dann zeitweise, ich falle einfach um. Vormittags arbeiten, Wäsche falten, Liste abstreichen, ständig mit dem Gedanken, dass mir die Zeit davon läuft, da es der letzte Tag diese Woche war, an dem meine Mutter die Schnecke betreuen konnte.

Mittags hab ich dann so früh wie möglich die Maus aus dem Kindergarten abgeholt, da sie Generalprobe von ihrer Ballettschule hatte. So richtig groß wird der anstehende Auftritt aufgezogen, in einer riesen Halle, wo die Probe auch 3,5 Stunden lang stattfand. Das größte Problem: Eltern durften nicht anwesend sein. Da die Halle ein Stück von uns entfernt ist, fuhr die Maus mit der Mutter einer Freundin mit dorthin. Das war gegen 14 Uhr. Darauf folgten 4 der fiesesten Stunden meines Lebens. Ich machte mir solche Sorgen, ob es der Maus gut geht. Ich meine – die Betreuerinnen kannte ich zwar, aber diese fremde Umgebung, die ungewohnte Situation, das viele Warten und ein gewisser Grad an Selbstständigkeit – ich traute das der Maus irgendwie nicht zu. Ich musste ständig um Atem ringen, mein Magen rebellierte und meine Gedanken kreisten um meine Entscheidung, nicht als Betreuerin zu melden. Weder packen, noch Großeinkauf vorbereiten, Kaffee trinken mit meiner Mutter noch eine heiße Dusche konnten mir Ablenkung verschaffen.

Um 17 Uhr hielt ich es nicht mehr aus und fuhr zur Halle. Viel zu früh, aber ich wollte wenigstens dort im Foyer sein. Was war ich froh, als die Maus um kurz nach 18 Uhr in meinen Armen lag! Es war, als hätten wir uns wochenlang nicht gesehen. Eine Betreuerin erzählte mir gerade noch, wie toll sie alles gemeistert hatte, da fing die Maus plötzlich doch an zu schluchzen. Mein armes kleines Baby. Ich fühlte mich ein Mal mehr wie eine Rabenmutter.

Wir fuhren nach Hause und kurz darauf musste ich zu meiner eigenen Probe wieder los. Im Auto fiel langsam die Anspannung von mir ab. Ein belegtes Brot und eine Tafel Schokolade von der Tankstelle taten ihr Übriges und ich konnte die Probe einigermaßen frei von Schuldgefühlen genießen.

Mittlerweile weiß ich, dass die Maus nach der Probe so weinerlich war, weil sie einen Infekt ausgebrütet hat, der heute schubweise deutlicher als gestern sichtbar ist. Trotzdem ist es mir eine Lehre und ich werde zukünftig mehr auf mein Bauchgefühl hören, wenn es darum geht zu entscheiden, was ich der Maus (und mir) zutrauen kann und was nicht…

Letzte Male

Nun geht es plötzlich zappzarapp. Die Zeit der letzten Male beginnt, denn ab 1. März kommt die Schnecke in die Krippe. Das letzte Elterncafé war schon vorgestern, bald kommt noch die letzte Krabbelgruppe, der letzte Musikgarten, der letzte Freitag Vormittag allein mit der Schnecke.

Ich habe grundsätzlich ein gutes Gefühl, die Schnecke in dieser Einrichtung abzugeben. Wir kennen die Abläufe und die Erzieherinnen ja gut von der Zeit der Maus dort. Die Schnecke ist zudem recht selbstständig und auch nicht so zögerlich anderen Kindern gegenüber. Kurz gesagt: Sie lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Das Durchsetzen hat sie im Zusammenleben mit der Maus schon ganz gut gelernt. Außerdem kann sie Laufen und ein paar „überlebenswichtige“ Worte wie „Pipi“, „Kacka“, „Tella“, „Weine“, „Aua“, „Eiei“ – das ist auch viel wert. 🙂

Morgen ist das Einstiegsgespräch in der Krippe. Und ich bekomme nun doch langsam wieder dieses flaue Gefühl im Magen… Wie wird es werden? Wird die Eingewöhnung reibungslos funktionieren? Wir haben eigentlich nur einen Monat Zeit, weil dann meine Mutter verreist (sie macht die Eingewöhnung mit der Schnecke). Wird die Schnecke jeden Morgen weinen? Sie ist da absolut der Typ für… Wird sie beim Essen klarkommen? Sie ist momentan relativ wählerisch bei der Konsistenz des Essens. Wird sie sich dem Ablauf des Krippentags anpassen können? Derzeit schläft sie mittags nur unter lautstarkem, anhaltenden Protest und das auch erst gegen 14 Uhr ein. Dort ist Schlafen eigentlich schon nach dem Essen um 12 Uhr angesagt. Wird sie viel krank sein? März ist kein optimaler Monat zum Einstieg, wie ich finde.

Fragen über Fragen. Einiges wird einfacher werden, einiges komplizierter. In ein paar Wochen werde ich schlauer sein.

Hilfsangebot

Mittwochabend. Ich bin unterwegs zur Big Band Probe, mein Mann bringt die Kinder ins Bett. Wie immer wird vor dem Lichtausmachen die Schnecke kurz ins Bett der Maus gelegt, damit die beiden sich einen Gute-Nacht-Kuss geben können. Da verkündet die Maus:

„Komm her, kleines Schneckchen. Du darfst heute bei mir schlafen. Ich stille dich auch heute Nacht!“

Hihi. Sie wünscht sich so sehr, dass ihre kleine Schwester endlich bei ihr im Zimmer (bzw. aus ihrer Sicht am liebsten bei ihr im Bett) schläft. Und ich sage halt jedes Mal, dass das erst geht, wenn ich die Schnecke nachts nicht mehr stille…

Ich glaube jedenfalls, das nächste Aufklärungskapitel ist heute fällig… 😉

Was man nicht im Kopf hat…

Der letzte Samstag begann wie fast jeder. Ich stand mit den Mädels gegen 7 Uhr auf, wir machten uns fertig, mein Mann stand auf, wir frühstückten, wuselten noch etwas umher und brachen gegen halb 11 auf zum Wocheneinkauf. Mein Mann entfernte die Plane von der Windschutzscheibe, ich schlug vor, sie hinten in den Fußraum zu legen, er meinte, der Kofferraum sei besser, weil ja nachher die Einkäufe in den Fußraum kämen.

Er öffnete den Kofferraum, stutzte plötzlich und fragte mich: „Wo ist denn der Kinderwagen?“ Ich verstand erst nicht, bis es mich mit einem Schlag durchfuhr: Ich hatte ihn am Abend zuvor beim Einkaufen am Straßenrand stehen lassen! Zwei Kinder anschnallen, mit ihnen reden, Einkäufe einräumen, völlig übernächtigt sein und die frühe Dunkelheit – mindestens ein Punkt war wohl zu viel und ich hatte unseren guten alten Hartan-Wagen einfach vergessen…

Wir sausten natürlich gleich zum Ort des Geschehens, aber nix. Kein Kinderwagen weit und breit. Eine Anwohnerin versicherte mir, der Wagen würde nicht im Haus stehen – das war nämlich unsere Hoffnung, dass einfach jemand den Wagen vor dem Regen am Vorabend schützen wollte.

Enttäuscht gingen wir einkaufen. Ich hätte heulen können und konnte mich auf nichts anderes als meinen Gram konzentrieren. Zu Hause konnte ich auch nicht kochen, ich musste sofort Aushänge und Zettel für die Briefkästen der Anwohner drucken und nochmal zurückfahren, sie aufzuhängen bzw. zu verteilen. Eine weitere Anwohnerin erzählte, ihr Sohn habe von dem Wagen – immerhin ohne Baby drin – berichtet, jedoch irgendwann gesagt, er sei nun weg. Ich wollte den Wagen einfach nicht aufgeben, obwohl etwas in mir drin immer sagte: Der ist endgültig weg! Der stand so leer da, mit weit nach hinten geklapptem Verdeck und mit Brotkrümeln auf dem Sitz sowie zerknüllten Papiertüchern im Gepäcknetz, dass er durchaus als „Sperrmüll“ durchgehen hätte können.

Sonntags tauschten wir die Aushänge aus gegen neue mit Foto. Einen Jungen, der Zeitungen austrug, bat ich, Ausschau zu halten. Er erzählte, sein Vater habe mich gesehen, wie ich ohne dem Wagen weggefahren bin, hätte aber nicht gewusst, was er tun soll.

Auch der ergänzte Aushang brachte nichts. Kein Anruf. Ich googelte nach dem örtlichen Fundbüro und las dabei den Hinweis, dass auch die Polizei Fundstücke sammelt. Ich wollte nichts unversucht lassen. Also rief ich heute morgen bei der Polizeidienststelle hier an und schilderte mein Anliegen. Mein Herz schlug bis zum Hals. Der Polizist meinte, er sehe mal nach, ob ein Kinderwagen da sei, und ich hatte mir schon die Worte zurecht gelegt, die ich sagen wollte: „Ah ja, schade, trotzdem danke.“ Da verkündete er plötzlich: „Sie können den Wagen bei uns im Polizeirevier abholen!“

Hurra! Er ist wieder da! ♡

image

Ich danke von Herzen allen, die den Wagen nicht mitgenommen haben und noch mehr demjenigen, der die Polizei informiert hat – oder der Polizei selbst, falls sie den Wagen „auf Streife“ entdeckt haben – das habe ich nicht erfragt.

Eine lustige Sache noch zum Schluss (wer bis hierhin gelesen hat, hat ein Späßchen verdient… 😉 ):
Als ich bei der Polizei fertig war und die Abholung unterschrieben hatte, meinte der Polizist, er würde jetzt nach hinten gehen und für mich den Türöffner betätigen. Er ging ins Büro, da klingelte sein Telefon. Er ging ran, redete kurz und legte wieder auf. Dann ging er durch eine Hintertür raus. Ich dachte, er käme vielleicht durch die Seitentür, um mir an der Treppe zu helfen oder so, also wartete ich brav. Nix. Dann kam er zurück ins Büro und setzte sich wieder. Nix, kein Surren am Türöffner. Die Maus hatte mich begleitet und fragte nun in „Kinderlautstärke“, ob der Polizist jetzt gleich aufmacht. Da schrak er auf und meinte: „Oh, ich habe Sie ganz vergessen! Tut mir leid!“ Ich musste sehr lachen und versicherte ihm, es ihm nicht übel zu nehmen. „Ich vergesse ab und an auch Dinge…!“ zwinkerte ich ihm zu…

Familienbande

Ich weiß nicht, wie oft ich diesen Artikel schon tippen wollte, es dann aber doch habe sein lassen. Ganz nach dem Motto „Schlaf lieber eine Nacht drüber“ hab ich es immer überdacht und am nächsten Morgen für übertrieben abgestempelt und nicht gebloggt.

Anders diesmal, denn ich habe seit Silvester darüber geschlafen und das Gefühl bleibt. Also raus damit.

Es geht um das Thema Familienzusammenhalt. Meine Familie ist eine „Dorffamilie“. Bis kurz vor meiner Geburt lebten meine Großeltern auf dem Land, meine Eltern entsprechend vor dem Ende ihrer Schulzeit auch. Man lebte mit mehreren Generationen in einem Haus und unterstützte sich gegenseitig, wo es nötig war. So lebte ich z.B. das erste halbe Jahr meines Lebens bei meinen Großeltern auf dem Land, während meine Eltern in der Stadt waren und arbeiteten – weil meine Mutter nur wenige Wochen Mutterschutz hatte und danach wieder voll arbeiten musste. Nix Elternzeit, das gab es nicht.

Entsprechend verhält es sich, wenn wir heutzutage zu Besuch kommen. Die Maus und die Schnecke werden uns so gut es geht „abgenommen“, immerhin freut sich jeder auf die Kleinen und will dann auch mal vorlesen oder rumschleppen. Oder dafür sorgen, dass ich mal einigermaßen in Ruhe essen kann. Und zwar packt jeder an. Meine Mutter, meine Tante, mein Onkel. Sogar meine Oma mit 88 Jahren bespaßt, singt, macht Fingerspiele. Oder backt was, wenn wir eine große Feier haben, damit ich mit den beiden Kindern nicht auch noch drei Kuchen machen muss. Was meine Mutter alles für uns tut, brauche ich hier ja nicht mehr erwähnen.

Die Familie meines Mannes ist dagegen ganz anders. Auch hier freut man sich durchaus, wenn wir zu Besuch kommen. Vor allem Opa bemüht sich schon. Vor allem, als die Maus noch so stark aufs Vorlesen fixiert war, musste er stundenlang Bücher vorlesen. Mittlerweile hat sich das gelegt mit der Folge, dass ich oft dort bin und die Kinder „vorführen“ darf. Sprich: Ich sitze mit den beiden aufm Boden, im schlimmsten Fall nölt eine oder beide rum und die Großeltern schauen mir dabei zu. Wenn es Essen gibt, wird es anstrengend, denn alles ist recht steif und fest vorgegeben. Wenn eine der beiden quengelt, muss ich gucken, dass das aufhört. Falls mir nix einfällt, verlasse ich eben den Tisch bzw. das Esszimmer, während die anderen weiteressen.

Genau so war es an Silvester. Fleischfondue gab es traditionsgemäß. Und was ist das Problem am Fleischfondue? Es dauert ewig. Man hat ein mini Fleischstück, das ewig brät, damit es nicht mehr roh innen ist, dann ist es zäh und heiß und überhaupt. Die ganzen sauren Beilagen sind auch nicht jedermanns (oder v.a. „jederkinds“) Sache – zumal die Cornichons zudem megascharf waren, so dass die Maus nur Baguette essen konnte. Trocken. Dazu wurden ihr freundlicherweise noch vier Scheiben Lyoner angeboten – immerhin, denn im letzten Jahr gab es gar keine Alternative für sie. Dass es die billigsten waren, die man bekommen kann (die aus der runden Packung, wo 10 Scheiben oder so übereinander drin sind), fand ich auch solala, wo doch für die anderen Gourmets Unmengen an Rindfleisch vom Metzger zum Frittieren bereit lag. Der Obstsalat zum Nachtisch war dann noch „mit Schuss“, herzlichen Dank. Auch von mir, da ich noch stille. Aber das versteht eh keiner, zumal in deren Generation sogar während der Schwangerschaft auf Alkohol nicht gänzlich verzichtet wurde. Und warum alle außer der Maus ein Getränk hatten, frage ich mich auch, zumal sie eh immer nur Leitungswasser trinkt. Aber ich hatte ja ihren Becher zufällig dabei, so ersparte ich allen Beteiligten, kurz nach Fondue-Beginn wieder vom Tisch aufstehen zu müssen.

Joa. Irgendwann hatte dann die Maus ihre Brezel aufgegessen, die ich dabei hatte mit der Begründung, sie hätte ein bisschen Magenprobleme und wurde unleidlich. Also wurde sie mit Tablet und YouTube ins Wohnzimmer abgeschoben. Dann hatte die Schnecke keinen Bock mehr. Also lief ich eine Ewigkeit mit ihr im Flur auf und ab und schaute mit ihr die Wanddeko an. Bis irgendwann Opa kam und mich ablösen wollte. Da war der Fetttopf aber bereits abgestellt, so dass ich geschwind meine zwei längst kalt gewordenen letzten Fleischstücke in mich reingestopft habe und froh war, zu Hause zum Kaffee vorsorglich ein großes Stück Kuchen gegessen zu haben.

So läuft es, eigentlich immer. Hilfe wird auch immer nur großartig angeboten, wenn wir dann aber nachfragen, passt der Termin so gut wie nie. Hach. Ich hoffe, ich selbst werde nicht so und kann die ländliche Tradition noch weiterleben und weitergeben, auch wenn ich zeitlebens in der Großstadt gewohnt habe…

Auf der Treppe

Während ich in meinem Homeoffice so vor mich hin tippte, ploppte eine Nachricht auf meinem Handy auf. „Auf der Treppe steht etwas für dich!“ hieß es. Natürlich von meinem Liebsten geschrieben. Gespannt lugte ich aus dem Zimmer* – ein Stück Butterbrezel, frisch vom Bäcker! Yummie!

image

Heute ist schon mein letzter Arbeitstag während der Elternzeit meines Mannes. Oder andersrum gesagt: Ab Montag muss er auch wieder arbeiten gehen. Ich werde ganz traurig, wenn ich daran denke, denn wir hatten einen tollen gemeinsamen Monat. Er konnte so viel mit den beiden Mädels erleben, wozu er sonst nie die Gelegenheit hat. Er hat mich unterstützt wo es nur ging. Es war eine tolle Zeit.
Und nun verdrücke ich ein kleines Tränchen, tröste mich ein wenig mit der Butterbrezel und dann wird weitergetippt…

——–
*Die Schnecke weiß momentan noch nicht, dass ich unten im Keller bin, wenn ich arbeite, sonst würde sie den ganzen Vormittag am Treppengitter stehen und nach mir rufen… Daher erfolgt die Kommunikation mit der „Außenwelt“ im oberen Stockwerk lediglich übers Handy.

Groß und Klein

Nur wenige Tage nach dem Familien-Fotoshooting auf einem Bauernhof in der Gegend erhielten wir die Zugangsdaten für die Online-Galerie. Voller Vorfreude sahen wir uns gemeinsam mit der Maus die Fotos an.

Dann kam dieses Bild:

image

„Mama – wer ist das neben der Schnecke?“
„Das bist du!“
„Naaain! Das bin ich nicht!“ Tränen schossen in ihre Augen. „Ich bin doch nicht so groß! Das bist bestimmt du, Mama!“

Was in so einem kleinen Köpfchen vorgeht. Manche Erkenntnisse sind nur schwer zu akzeptieren.

Das bin ich. Ein Outing.

Seit ich denken kann kaue ich an meinen Fingernägeln. Als Kind wird es einem gerne als schlechte Angewohnheit vorgeworfen, man wird ermahnt, es sein zu lassen, als wenn man es aus Langeweile oder zum Zeitvertreib täte.

Lange habe ich mir auch keine Gedanken gemacht, warum oder wann ich Fingernägel kaue. Erst seit ich erwachsen bin ist mir klar, dass es ein Ventil zum Stressabbau ist. Und zwar eines, das alles andere als hübsch ist.

Meist passiert es abends vor dem Fernseher. Der Tag ist irgendwie geschafft und in meinem Kopf laufen die tausend Dinge ab, die ich noch erledigen muss, die ich gerne machen würde, Situationen, die vielleicht doof abgelaufen sind, Sorgen, wie es weitergeht. Da reichen schon ein paar Minuten und meine Nägel sehen aus, als wenn ein Schwarm Heuschrecken darüber hergefallen wäre. Nur dass die sich lieber was nahrhafteres suchen würden…

Mein bevorstehender Wiedereinstieg in der Arbeit, verbunden mit der dann notwendigen Betreuung der Schnecke durch meine Mutter, der nahende Winter mit dem möglicherweise nahenden Schnee, die Erkältungssaison, die bereits eröffnet ist, der Geburtstagsmarathon, der vor uns liegt, die ganze Hausarbeit, die ich in den letzten Wochen nicht auf die Reihe bekommen habe, die Mamaphase der Schnecke, die zig Schlafunterbrechungen nachts – ratz fatz war das das Ergebnis:

image

Eigentlich kriege ich es auch noch schlimmer hin, aber auch so stört es mich ungemein. Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, wann ich zum letzten Mal meine Fingernägel geschnitten habe. Bzw. gefeilt ohne dass es nur „Reparaturarbeiten“ waren, damit ich nicht überall hängen bleibe mit den ausgefransten Nägeln.

In meinem Badschrank drängen sich Nagellackfläschchen, dicht an dicht. So gerne hätte ich schöne Nägel, die man nicht verstecken muss. Vielleicht starte ich wiedermal einen Versuch, mich durchs Lackieren vom Knabbern abzuhalten. Meist klappt das für eine Weile auch ganz gut. Dann kommt der „Jojo-Effekt“. Meine persönliche „Diät“, an der ich bisher immer gescheitert bin.